Admiral Shulrabbu
Kapitän Grolkov, Veteran der Föderation, über einem Bier in Akragrad:
„Shulrabbu ist ein Kind seiner Heimat: Atyersus ist die Stadt der Händler, und der Krieg ist dort ein Geschäft wie jedes andere. So gesehen, ist Admiral Shulrabbu ist erfolgreicher und auch ehrlicher Händler.
Shulrabbu kommandiert die VI. Flottille des Imperiums und nutzte den Krieg im Grenzgürtel, um ein enormes Vermögen anzuhäufen. Natürlich tat er dies auch mit Plünderungen, Erpressungen und Sklavenhandel, aber insgesamt war er zurückhaltender als andere, nicht grundlos grausam und nicht so masslos. Und vor allem, und das werde ich über keinen anderen Flottenoffizier sagen, war sein Wort stets verlässlich. Wer sich im ergab und die Bedingungen der Kapitulation einhielt, der konnte sich auf die versprochene Behandlungen verlassen, nicht nur dem Wortlaut, sondern auch dem Sinn nach. Als sich Shat ergab, da verlangte Shulrabbu ein fürstliches Lösegeld, um die Stadt nicht zu plündern, und ausserdem zwölf Dutzend Sklaven von hoher Geburt. Beides erhielt er. Als dann fünf Tage später einige Schiffe der III. Flottille auf eigene Faust Shat plünderten, da jagte Shulrabbu sie und lieferte all ihre Offiziere an Shat aus. Das Raubgut gab er zurück, und was davon verschwunden war, erstattet er aus eigener Kasse.
Aber mach keinen Fehler: Shulrabbu handelt nicht aus Güte oder Ehre. Er weiss ganz einfach, was ein guter Ruf wert ist, und nutzt seinen auch gekonnt aus. Nach Shat unterhält er heute gute Handelsbeziehungen, nicht zuletzt wegen den hochgeborenen Sklaven in seinem Haushalt. Auch als Kommandant hat er immer wie ein besonnener Händler gehandelt: Nie liess er sich auf riskante oder gar aussichtslose Unterfangen ein, sondern setzte seine Schiffe geduldig und gewinnbringend ein. Er hat vielleicht keine grossen Triumphe errungen, aber auch keine folgenreiche Niederlage erlitten.
Heute ist Shulrabbu Präfekt von Gatruush, und das hat er bisher gar nicht schlecht gemacht. Er verlangt hohe, aber nicht übertriebene Steuern und Zölle, sorgt für Sicherheit auf der Akraebene und vor den Küsten und lässt uns ansonsten in Ruhe. Viele dachten, dass er sich als Imperialer auf die Seite der Handelskompanie stellen würde, aber das hat er bisher nicht getan – wahrscheinlich, weil er aus Atyersus stammt.
Ich habe mehrmals persönlich mit Shulrabbu zu tun gehabt, das war jedes Mal angenehmer als erwartet. Er hat perfekte Manieren, ist aber nie langweilig; Humor hat er, und er erträgt sogar den ein oder andern Witz auf seine Kosten, nur darf das nie zu weit gehen. Das Feilschen und Handeln liebt er sehr, und er nimmt es einem nie übel, wen man dagegenhält. Und er sieht genau so aus, wie man es von einem absurd reichen Atyerser erwartet: das kohlschwarze Haar und den Bart glänzend von Öl, ein schweres Juwel an jedem Finger, parfümiert wie ein ganzes Bordell, die Augen geschminkt. Seine rote Uniform ist aus Seide, sein Kapitänsumhang aus bestem Nerz, seine Pistolen besetzt mit Gold und Perlen. Aber lass dich nicht täuschen: Seine Pistolen können schiessen, sein Verstand ist scharf und seine Entschlossenheit gross.“
