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aro

Aro



“Einen widersinnigen Gott der Weisheit haben die Menschen. Denn Aro soll sie zur Erkenntnis von Geheimnissen führen – nachdem er die Geheimnisse zuerst selbst versteckt hat!“
- Zugeschrieben dem zwergischen Priester Luggwosch

“Wenn Du suchest nach Wahrheit, dann entledige Dich zuerst zweyer Irrigtümer: Primum, dass die Dinge seyen als sie scheynen; Secundum, dass die Dinge nicht seyen als sie scheynen.“
- Aus einem Buch der Antworten

Aus einm Buch der Fragen:
„Beantworte dies: Was ist der Preis von Kinderlachen?
Beantworte dies: Wer ass das erste Spiegelei, und wer bereitete es zu?
Beantworte dies: Wohin gehet dein Schatten in der Dunkelheit?
Beantworte dies: Warum fliegt der Rabe?
Beantworte dies: Ist es wahr oder falsch zu sagen „Ich lüge“?
Beantworte dies: Was ist besser, Geben oder Nehmen?“

Aus den Legenden des Tritheons und den Büchern der Antworten:
„Und es warden getrennt Diesseits und Jenseits, und nicht länger weilten die Toten unter den Lebenden, und dies ist gut und ordentlich. Dem Diesseits und den Sterblichen war es aber auch ein Verlust, denn sie waren gewohnt, ihre verstorbenen Ahnen um Rat zu fragen und aus jener Erfahrung zu lernen. Der Fürst Aro befand, dass der Verlust der Weisheit der Ahnen den Sterblichen grosser Schaden sei, und dass er die Welt ärmer mache und langweiliger.
So suchte der Fürst Aro denn seine Schwester auf, die Königin Epsis. Er bat die Herrin des Jenseits, den toten Seelen zu gestatten, das Diesseits zu besuchen und den Sterblichen beizustehen mit ihrem Rat. Die Königin Epsis aber erwiderte: „Geschieden sind nun Diesseits und Jenseits, und nimmermehr kann Verkehr sein zwischen ihnen. Kein Durchgang ist vom Jenseits ins Diesseits, und wer hierher gelanget, der muss hier bleiben.“ Und all des Fürsten Aros Überredung fruchtete nichts.
Da verlegte sich der Fürst Aro auf seine List. Denn er wusste, dass durchaus Durchgang war vom Jenseits ins Diesseits, und dass trotz ihrer Worte die Königin Epsis manchmal das Dazwischen passierte in jene Richtung. Gänzlich ohne die diesseitigen Freuden des Lebens mochte die Königin Epsis nicht sein. So sandte der Fürst Aro sieben Raben ins Jenseits. Als die Königin Epsis das nächste Mal das Dazwischen durchquerte, da folgte ihr heimlich einer der Raben. Wie es ihre Gewohnheit war, schloss die Königin Epsis den Durchgang im Dazwischen hinter sich; doch der Rabe schlüpfte unbemerkt an ihr vorbei, und da blieb eine kleine Öffnung bestehen.
Sechsmal noch wiederholte sich dies. Sechsmal noch folgte ein Rabe der Königin Epsis auf ihren geheimen Pfaden durch das Dazwischen, sechsmal noch blieb ein Durchgang vom Jenseits ins Diesseits zurück, fünfmal noch entging dies Geschehen der Königin Epsis. Beim siebten Male aber entdeckte die Königin Epsis den letzten Raben, wie er hinter ihr ins Diesseits kam. Da ergriff grosser Zorn die Königin Epsis, und sie eilte zu ihrem Bruder und zieh in des fürchterlichsten Verrats. Der Fürst Aro aber erwiderte: „Du sprichst töricht, meine Schwester Königin. Waren es nicht deine eigenen Worte, dass kein Durchgang sei vom Jenseits ins Diesseits, und dass du selber wachest darüber? Wie sollen denn die Raben das Dazwischen passiert haben? Sie sind nur einfache Vögel; sie vermögen nicht, deinem Blicke zu entgehen noch ihren eigenen Weg durch das Dazwischen zu finden. Unmöglich können sie sich selbst Zugang ins Diesseits verschafft haben.“
Da schwieg die Königin Epsis. Der Fürst Aro aber fuhr fort: „Wahr aber ist, dass nun sieben Durchgänge sind vom Jenseits ins Diesseits. Nicht länger ist es den Toten unmöglich, die Lebenden zu besuchen. Deshalb bitte ich dich erneut: Gestatte den Verstorbenen, mit ihrem Rate den Lebenden beizustehen.“ Da lenkte die Königin Epsis ein, und seit jener Stunde ist es manchen Verstorbenen erlaubt, das Dazwischen zu passieren und den Lebenden beizustehen. So kamen die Manen ins Diesseits durch des Fürsten Aros List.“


Aro ist der Gott des kleinen Mondes, der Weisheit und der Träume. Er ist der Fürst des Dazwischens, der Sprecher der Manen, der Wächter der Sieben Passagen, der Verhüller und Enthüller der Geheimnisse. Er ist Allweise und herrscht über die Manen. Seine Macht ist gross und seine Einsicht unerreicht. Er ist der Bruder der Epsis, Königin des Jenseits, und einer der drei höchsten Götter des Tritheons.

Lange stand Aro abseits von den Kriegen der Götter und Titanen. Er wanderte durch die Schöpfung und suchte nach Einsicht und Weisheit. Erst als er verstand, kehrte er zurück zu seiner Schwester und half ihr in ihrem Kampf wider das Pantheon von Orokul. Sein Rat führte zur Verbindung von Epsis und Morenu, und er war entscheidend beteiligt am Sieg über das Pantheon von Orokul. Nach der Trennung von Diesseits und Jenseits sorgte er dafür, dass manche Verstorbene das Dazwischen passieren können, und er wacht nun über diese Passagen.

Aro liebt die Sterblichen und ihre Ideen. Er leitet sie an bei der Suche nach Erkenntnis, und er freut sich über jede neue Einsicht. Ein origineller Gedanke findet sein höchstes Lob. Zugleich aber versteckt er Geheimnisse und verlangt von den Sterblichen, dass sie diese Geheimnisse selbst ergründen. Nur so können sie eigenständig zu Einsicht gelangen. Auch der Herr der Träume ist Aro, und er sendet den Sterblichen verschlüsselte Botschaften in ihnen.

Neugierig ist Aro und interessiert an allen Aspekten der Welt. Niemand besitzt umfassenderes Wissen, und er verwendet seine Weitsicht zum Wohle der ganzen Schöpfung. Aro kann aber auch geheimniskrämerisch sein und eifersüchtig über sein Wissen wachen, und seine Wege sind oft hinterlistig und intrigant. Im Umgang mit Sterblichen und Göttern gleichermassen enthüllt er selten seine Absichten, sondern manipuliert sie, in seinem Sinne zu handeln.

Unermüdlich wandert Aro durch das Dazwischen, und seine Laterne steht als der kleinere Mond am Himmel. Aros Bewegung ist unergründlich, denn nur er vermag sein nächstes Ziel zu sehen, und unberechenbar ist daher der Lauf des kleinen Mondes. Stets aber geht Aro dahin, wo seine Anwesenheit gebraucht wird zum Schutze von Diesseits, Dazwischen und Jenseits gleichermassen, und wo der Schöpfung Unheil droht, da wartet meist schon der Fürst des Dazwischens.

Aro wird dargestellt als verhüllte Gestalt, meist schreitend, manchmal aber auch im Stehen lesend. Sein Gesicht ist stets verborgen unter seiner Kapuze; manchmal ragt ein Rabenschnabel darunter hervor. Sein einziges Utensil ist sein langer Stab Niebenannt, an dem Aros Laterne hängt.

Der neugierige Rabe ist Aros heiliges Tier. Diese Vögel sammeln Kunde, welche sie dann dem Fürsten des Dazwischens berichten, und sie sollen die Fähigkeit besitzen, bedeutende Ereignisse im Voraus zu erahnen und am richtigen Ort auf sie zu warten. Deshalb bedeutet es stets eine anstehende Veränderung im Weltenlauf, wenn man von einem Raben beobachtet wird, auch wenn Sterbliche oft nicht die genaue Natur dieser Veränderung erfassen können. Der König der Raben ist der halbgöttliche Quorvorax, der Letztwartende, der wichtigste Vertraute Aros.


Der Kult des Fürsten Aro


Aros Kult ist so weit verbreitet wie jener der Königin Epsis und des Herrn Morenu, wenn er auch über weit weniger Tempel verfügt. Die Kirche kennt keine einheitliche Struktur und ist nur lose organisiert. Sie besitzt noch nicht einmal feste Primarchen. Statt dessen anerkennen der Arokult und das ganze Tritheon die Sieben Verborgenen. Bei ihnen handelt es sich um von Aro erwählte Priester, deren Identität meist geheim ist. Jeder der Verborgenen trägt eine Rabenfeder, welche aus eigener Kraft schreiben kann und ihm so Aros Worte verkündet, und die ihn als Verborgenen ausweist. Die Verborgenen werden nur zeitweilig erwählt, meist für eine bestimmte Aufgabe. Es ist nicht genau bekannt, wie die Rabenfedern von einem Verborgenen zum nächsten weitergegeben werden, aber es heisst, dies sei die Aufgabe von Quorvorax. Priester des Aro sind angehalten, aber nicht gezwungen, den Ratschlägen eines Verborgenen zu folgen. Gibt sich ein Verborgener der Welt zu erkennen, so steht ihm innerhalb des Tritheons der Rang eines Primarchen zu. Oft schon tauchten unerwartet Verborgene an Konzilen auf und veränderten damit dessen Entscheidungen. Üblicherweise geben die Verborgenen die Rabenfeder weiter, sobald sie sich der Welt enthüllt haben. Es gibt allerdings auch Ausnahmen von dieser Regel. Die Verborgene Memnegis etwa enthüllte sich bereits vor sechs Jahren beim Konzil von Valeor, und sie soll noch immer eine Rabenfeder tragen.

Die Tempel des Aro sind dünn gesät, und man findet lange nicht in jeder Stadt einen. Etwa ein Drittel von ihnen befindet sich an abgelegenen Orten, und bei einigen ist die genaue Lage nicht allgemein bekannt. Im Grenzgürtel ist der Anteil abgelegener Tempel besonders hoch; hier macht er etwa die Hälfte aus. Die bekanntesten sind wohl das Haus der dunklen Spiegel in Arkragrad und der mysteriöse Schrein des schlafenden Nabels, der sich im genauen Zentrum von Yumenech finden lassen soll. Jeder Tempel ist auf seine eigene Weise organisiert, wenn auch meist der älteste anwesende Priester besonders hohes Gewicht hat.

Es gibt keine einheitliche Lehre des Fürsten Aro. Statt dessen führt jeder seiner Priester zwei Bücher mit sich, ein Buch der Fragen und ein Buch der Antworten. Das Buch der Fragen enthält genau das: unbeantwortete Fragen, unbekannte Mysterien und ungelöste Rätsel. Sie können allen möglichen Bereichen des Wissens und Verstehens entsstammen; manche besitzen eine klare Antwort, andere sind wohl unbeantwortbar. Ein Priester des Aro ist angehalten, jede Frage, die ihm formal gestellt wird und er nicht beantworten kann, in sein Buch der Fragen aufzunehmen. Er muss danach streben, möglichst jede Frage in seinem Buch zu beantworten und in sein Buch der Antworten überzuführen. Neben beantworteten Fragen enthält jedes Buch der Antworten auch die gleiche heterogene Mischung aus Sagen, Gebeten, Ritualbeschreibungen, Landkarten und moralischen Abhandlungen (sowie zwei Kochrezepten). Treffen sich zwei Priester, so müssen sie ihre Bücher der Fragen und der Antworten einander angleichen, was unvermeidlich zu nächtelangen gelehrten Diskussion bei Kerzenlicht und Wein führt. Versammeln sich mehrere Aropriester an einem Ort, so rechnen sie stets einige zusätzliche Tage ein deswegen.

Die Priesterschaft des Aro steht jedem offen, unabhängig von Geschlecht, Alter und sozialer Stellung; selbst einige Nichtmenschen findet sich unter ihr. Die Anwärter müssen einzig einen starken Drang nach Weisheit und Verstehen aufweisen, und die meisten besitzen eine hervorragende Bildung. Vor seiner Priesterweihe erhält ein Initiant ein Buch der Fragen, eine Abschrift von jenem seines Lehrmeisters, und er muss damit auf Wanderschaft gehen. Wenn er eine alte Frage darin zur Zufriedenheit eines anderen Priesters beantwortet sowie selbst sieben neue Fragen gesammelt hat, erhält er ein Buch der Antworten sowie die Priesterweihe. Auch später noch muss jeder Priester mindestens eines von fünf Jahren auf Wanderschaft und der Suche nach Fragen und Antworten verbringen. Diesen wandernden Priester werden viele Wunder zugeschrieben, meist im Zusammenhang mit dem Aufdecken von Geheimnissen, aber auch mit dem Heilen von Wahnsinn und dem Schutz vor Lemuren.

Messen des Aro werden unregelmässig zelebriert; ihre Durchführung richtet sich nach der unberechenbaren Bewegung des kleinen Mondes, und häufig haben die Priester keine Zeit, sich auf sie vorzubereiten. Herzstück der Messe ist die Predigt, in welcher der Priester eine Frage, beantwortet oder nicht, aus seinen Büchern erörtert. Auch die anderen Rituale des Fürsten Aros finden bei bestimmten Mondstellungen statt; das bekannteste und beliebteste ist der Findigmond. Gerüchten zufolge gibt es bei manchen seltenen Mondstellungen an versteckten Orten geheime Riten des Aros, über die kein Eingeweihter spricht, an denen aber jeder teilnehmen kann, der sie ausfindig macht.

Bei rituellen Handlungen tragen die Priester des Fürsten Aro weite Roben mit Kapuzen, die ihr Gesicht verhüllen. Meist sind diese Roben schlicht und aus dunklem, schwerem Stoff, manche Priester aber tragen aufwendig verzierte und teure Roben. Im Alltag ist es den Priestern überlassen, ihre Kleidung nach Belieben zu wählen, viele ziehen aber auch dann weite Kapuzengewänder vor. Ein wandernder Priester trägt meist seine Bücher der Fragen und der Antworten auf dem Rücken; immer aber erkennt man einen Aropriester an der kleinen silbernen Laterne an seinem Gürtel oder Stab.

aro.txt · Zuletzt geändert: 2018/08/25 20:28 von admin