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belgatan

Mein Lieber Cousin Mercatio,

Gerne erzähle ich dir etwas über die Stadt und die Region. Die Stadt wie auch die Insel sind mir in den letzten 30 Jahren zur neuen Heimat geworden und mir wie auch Terzia ans Herz gewachsen.
Belgatan ist eine grössere, prosperierende Provinzhauptstadt auf einer mittelgrossen Insel zwischen dem Grenzgürtel und dem Zentrum Valeriens. Sie ist fester Bestandteil des Imperiums mit allen Vor –und Nachteilen, die dies mit sich bringt. Die See – und Landstrassen sind sicher, die Stadt gut bewacht und entwässert. Der Handel floriert und im Hafen und am Markt herrscht jeden Tag reges Treiben. Allerdings werden auch flächendeckend Steuern erhoben, natürlich mit der gelegentlichen Willkür, und die Bürokratie grenzt bereits ans unerträgliche.
Tatsächlich haben sich bereits mehrere Gaststuben in der Nähe der imperialen Anstalt für Baurecht und Gewerbe angesiedelt, die frustrierten Geschäftsmänner und Bauherren Unterkunft und Stärkung für den nächsten Tag mit den Bürokraten anbieten. Auch bieten mehr und mehr findige Einheimische ihre Dienste als Platzhalter in den endlosen Schlangen oder Orientierungshilfe im vertrackten Bürokratenpalast an. Auf den Strassen sagt man sogar, dass nur diese sogenannten „Papiertrapper“ wirklich wissen welche Papiere man wofür braucht und zu welchem Preis sie wo und zu welcher Zeit im Gebäude zu bekommen sind.
Jedenfalls lebt es sich grundsätzlich, wenn man nicht gerade ein Geschäft eröffnen will, gut in dieser Stadt. Das Klima ist mild und die Winde und Strömungen grösstenteils stabil und wohlwollend. An der Westküste haben sich in letzter Zeit mehr und mehr Patrizier und Adlige aus dem Zentrum angesiedelt um sich zwischenzeitlich etwas Ruhe vom hektischen Treiben rund um die Hauptstadt zu gönnen. Die weichen, einladenden Strände sind auch geradezu perfekt um in der Abendsonne einen Spaziergang zu unternehmen oder eine Partie Botok zu spielen.
In Belgatan ist eine sehr breite Palette an Gütern zu finden, allerdings gibt es einige Spezialitäten, die erwähnenswert sind. Da wäre beispielsweise die ausserordentliche Qualität an Buchbinderei, die vorwiegend im Westteil der Stadt, auch Bücherquartier genannt, betrieben wird. Ein Paradies für Büchwürmer, Poeten und Scholaren. Das Papier wird aus der hier heimischen leicht rötlichen Schilfart hergestellt, die im sumpfigen Hinterland der Insel zu Hauf wächst und die Basis des hiesigen Büchergeschäfts bildet. Der Rotanteil der Pflanze taucht das Endprodukt in einen leichten rosa Ton, was mittlerweile in ganz Valerien als Gütesiegel für Qualitätspapier bekannt ist. Unglücklicherweise werden bei der Herstellung Lösungsmittel und andere mir unbekannte Substanzen verwendet, die einen unverkennbaren etwas ätzenden Geruch erzeugen, den man wohlwollend als unangenehm bezeichnen kann und sich in Kleidern und Haaren festsetzt. In früheren Tagen verteilte sich dieser Gestank je nach Wind in der ganzen Stadt, bis die Einflussreichen der Stadt die Papierherstellung aus der Stadt heraus in den Norden verbannt haben. Nun ist morgens das Nord Tor immer mit Papiertransporten und Taglöhnern verstopft… Ich sage nur Bürokraten! Aber ich verliere mich schon wieder. Jedenfalls gibt es jeweils zu Sommerbeginn ein grosses Fest zu Ehren von Aro an welchem die wohl grösste Auswahl an Büchern und Buchhandwerk in ganz Valerien feilgeboten wird. Das ist in jedem Falle ein Besuch wert!
Eher kurios ist die Vorliebe der hiesigen Bevölkerung für alle möglichen Speisen und Getränke aus Rüben. Ja, ich habe Rüben gesagt! Dieses Gewächs wird in den höheren Lagen der Insel seit Generationen in allen Farben und Formen angebaut. Bergrüben, Rotrüben, Valerische Krautrüben und so weiter, es wird sogar gemunkelt, dass ein ansässiger Adliger einmal das Gewicht von karwesischen Zwergrübenspitzen in Gold aufwiegen liess um sie zu bekommen. Wie auch immer, wenn man sich mal daran gewöhnt hat schmeckt sogar der Rübenmet gar nicht so schlecht. Andere Getränke wie Rotrübenwein, hier verwirrenderweise nur Rotwein genannt, können je nach dem ganz in Ordnung sein. Kreativ sind sie jedenfalls mit ihren Rüben die Belgataner, Versuche diese Produkte über die Inselgrenzen hinaus zu handeln sind aber bisweilen kläglich fehlgeschlagen. Dies wird hier mit Unverständnis zu Kenntnis genommen.

Doch genug jetzt, meine liebe Terzia wartet schon darauf dass ich zu Bett gehe und die Kerze ist auch schon bald herunter gebrannt. Wir freuen uns sehr auf deinen Besuch und ich bin überzeugt, dass du hier die ersehnte Entspannung finden wirst.

Gehe einfach vom Hafen die ansteigende Marktstrasse hoch bis zu Marktplatz, halte dich dann links bis du die Rübengasse erreichst, folge dieser bis zum dreiköpfigen Drachen und dann rechts die Carvallusstrasse hinein.

Bis bald alter Freund
Aristelos

belgatan.txt · Zuletzt geändert: 2018/07/29 18:17 von 127.0.0.1