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Die Toten der Quarenser


Sitzung vom 26. Februar 2012.

Auf einer winzigen Insel in Gelbwasser findet sich ein Oger wieder als geplante Zwischenmahlzeit zweier Zombies. Lilith Mac Coullough musste Mommath aus den üblichen Gründen schnell verlassen, sprang an Bord eines auslaufenden Schiffes und entdeckte sogleich dessen Rumvorrat. Als ihn etwas später ein Matrose weckte, warf Lilith den unglücklichen Seemann über Bord. Der Rest der Mannschaft schien darob aber nicht verärgert – im Gegenteil: Sie gaben dem Oger noch mehr Rum. Am nächsten Morgen nun erwacht Lilith am Strand einer etwa zwanzig Schritt durchmessenden Insel, bewachsen nur von einem verdörrten Baum und einigen Fugeosträuchern.

Gesellschaft leisten ihm die schon erwähnten zwei Untoten, welchen auf der Stirn ein Zeichen ähnlich zweier Blitze eingeritzt ist. Lilith ist von der Zombies Appetit und Umgangsformen nicht gerade erfreut; glücklicherweise wurde nicht nur er, sondern auch sein treuer Anker an diesem Strand ausgesetzt. Damit legt der Oger die beiden Zombies kurzerhand zur Ruh. Seine Situation verbessert sich dadurch allerdings nur begrenzt: Noch immer sitzt er alleine auf einem winzigen Eiland, ohne Wasser, der Sonne schutzlos ausgeliefert, und nur etwa 150 Schritt von einer grösseren Insel getrennt – aber Oger schwimmen bekanntlich nicht.

*

Kapitän Bjomolf Arc hatte keinen erfolgreichen Morgen: In Mommath lässt sich kein einziger fähiger Seemann finden, da kürzlich fast alle davon von der gut zahlenden Imperialen Handelskompanie angeheuert wurden. Gerüchten zufolge liess sich nur ein einbeiniger Matrose nicht anwerben, doch der scheint seit dem letzten Abend spurlos verschwunden. Auch der Oger, der sich kürzlich in Mommath herumtrieb, ist verschwunden. Eine andere Neuigkeit aber macht dem Käpt'n mehr Sorgen: Die Imperialen erheben neue Zölle für alle Schiffe auf den Passagen durch Urgmaggog Kranz, um eine Binnenflotte aufzustellen. Bjomolf verspürt gerade wenig Lust, derartige Abgaben zu leisten.

Als Bjomolf eben aus einer Taverne auf eine Brücke tritt, rennt beinahe eine bleiche, schmutzige, rothaarige Elfe in ihn hinein. Im letzten Augenblick wird sie von dem Mann, der sie verfolgt, an der Schulter gepackt und zurück gerissen; der Mann ruft triumphierend „Hab ich dich, du Diebin!“ Da plumpst Calbert Nesses elegant von oben auf ihn. Calbert rappelt sich halb auf, entdeckt seinen Kapitän und erklärt sofort: „Morgen, Käpt'n – das ist nicht meine Schuld, sondern seine!“ Dabei deutet er auf einen kräftigen einbeinigen Kerl, der gerade an einem Seil von oben herab schwingt. Der Einbeinige trägt eine Donnerbüchse sowie ein rosa Frauenkleid und, wie sich während seines Herabschwingens mühelos feststellen lässt, darunter nichts. Lautes unartikuliertes Brüllen wie von einem liebestollen Yak ist von oben zu vernehmen.

Bjomolf wirft erst mal einen Blick hinter sich, um festzustellen, was für eine Türe er da gerade durchschritten hat. Wir hingegen wollen einen Blick zurück in die nahe Vergangenheit werfen, um diese absonderliche Begebenheit zu verstehen:

Calbert Nesses war auf dem Markt, um einige letzte Besorgungen zu machen, als er eine bemerkenswert hübsche Frau namens Durle kennen lernte. Kurz darauf findet er sich in einem beeindruckenden zweistöckigen Haus im Schlafzimmer eben jener Durle wieder und will gerade seinen Gürtel öffnen, als Durle ihn plötzlich zu Stille auffordert und kurz gedämpften Stimmen aus dem unteren Stock lauscht. Dann reisst sie ihre Augen entsetzt auf und erklärt: „Mein Gatte! Er ist Metzger, und sehr eifersüchtig – schnell, hier hinei-IIIIII!“ Während sie noch so sprach, hat sie schon die Tür zum Nebenzimmer geöffnet und hineingeblickt, wobei ihre Worte in einen langen Schrei übergingen.

Der Seemann Morwr Madog erwacht an diesem Morgen in einer kleinen Kammer mit einem aufgebrochenen Fenster und angefüllt mit Kleidern. Wie er hierher kam, weiss er nicht mehr, ebensowenig, was gestern Abend nach dem elften Becher Rum noch so geschah. Seinem schmerzenden Kopf ist es auch nicht sonderlich zuträglich, dass da gerade eine Frau die Türe öffnet und mit „… hier hinei-IIIIII!“ zu kreischen beginnt. Jetzt ist ein lautes Brüllen wie von einem wütenden Bären zu vernehmen: „DURLE!“ Ein Mann, den wir natürlich als Calbert erkennen würden, rennt an ihm vorbei, ruft „Schnell, hier raus, du Trunkenbold!“ und springt auch schon aus dem Fenster.

Morwrs Gehirn ist noch nicht ganz angelaufen, und so rappelt er sich erst mal auf und schnappt sich seine treue Donnerbüchse, die da neben ihm lag. Hinter der Frau taucht ein rasender Koloss von einem Mann mit kahl rasiertem Schädel, struppigem Bart und vor Wut pochenden Adern auf der Stirn auf; er schwingt ein bedenklich grosses Fleischermesser. Morwr kommt zum Schluss, dass der ihm noch unbekannte Calbert wohl der richtigen Idee folgte, springt ebenfalls aus dem Fenster und rennt Calbert nach über eine hölzerne Galerie in zwei Stockwerken Höhe, wie sie hier in Mommath häufig als Strassen dienen. Beim Rennen hindert Morwr etwas um seine Beine, und er stellt nun fest, dass er aus irgend einem Grund, der ihm seit gestern entfallen ist, ein rosa Kleid trägt.Das muss ein bemerkenswerter Suff gewesen sein, und es ist nun auch klar, weshalb Calbert ihn nach flüchtigster Bekanntschaft schon einen Trunkenbold nannte.

Calbert selbst kommt nun zu einer Ecke der Galerie, wo sich ein Baugerüst befindet. Statt der Galerie weiter nach links zu folgen, springt er über ihren Rand und greift nach einem Seil, um elegant nach unten zu schwingen. Leider verfehlt er das Seil und stürzt in die Tiefe; wenigstens sieht er dabei gut aus. Auch Morwr erreicht die Ecke, und obwohl er so schnell gerannt ist, wie sein Holzbein eben zulässt, hat ihn der eifersüchtige Metzger (dessen Name übrigens Brufnig lautet) bereits eingeholt. Im letzten Augenblick springt auch Morwr von der Galerie, und er kriegt tatsächlich das Seil zu fassen.

Wir verstehen nun also, wieso Calbert heruntergestürzt und der Einbeinige im rosa Kleid heruntergeschwungen kam; der Rest von Kapitän Arcs Verwirrung löst sich nun wie folgt: Die rothaarige Bleichelfe verliess Gatruush, um etwas von der Welt zu sehen, und reiste eine Weile als wiederholter blinder Passagier heimlich durch den Grenzgürtel. In Mommath ernährte sie sich auf die gewohnte Weise, was eben zu Ärger führte: Ein Händler entdeckte sie, als sie gerade einen Apfel von seinem Stand stehlen wollte. Also flieht Nanulu, doch nicht schnell genug: Sie hat gerade eine Brücke überquert und will einer sich vor ihr öffnenden Tür ausweichen, als der Händler sie einholt und an der Schulter packt. Ihre Rettung kommt nun eben in Gestalt Calberts, der dank dem Händler eine weiche Landung hat.

Da der Leser nun einen Wissensvorsprung hat vor Bjomolf Arc, wollen wir in unserer Erzählung fortfahren: Bevor noch jemand auf der Brück Gelegenheit hat, sich zu sammeln, taucht oben an der Galerie der Metzger Brufnig auf und schleudert sein Messer nach Calbert, vefehlt ihn aber. Statt dessen dringt es schräg von oben in des unglücklichen Händlers Hals. Blut spritzt.
Nanulu will den Moment zur Flucht nutzen, wird aber von Bjomolf am Handgelenkt gepackt – der Kapitän will nun wissen, was hier vor sich geht, und er hat den starken Verdacht, dass die Elfe daran beteiligt ist. Nanulu versucht sich loszureissen und wirft den Apfel nach Bjomolf, verfehlt ihn aber.

Während Brufnig noch immer wütend am Baugerüst hinunter klettert, redet Calbert beschwichtigend auf ihn ein und erklärt ihm, er habe genug grundloses Unheil angerichtet, und es sei sowieso alles die Schuld des einbeinigen Perversling im Kleid seiner Frau. Brufnig beruhigt sich auch tatsächlich und scheint zumindest momentan keine Mordpläne mehr zu hegen. Calbert wendet sich nun dem Händler zu, erkennt aber sofort, dass er ihm nicht mehr helfen kann – die Halsschlagader wurde getroffen!

AuchNanulu hat die Schwere der Verletzung erkannt und sieht eine Gelegenheit zur Flucht. „Ich kann ihm helfen – ich muss nur etwas Wasser holen!“, erklärt sie Bjomolf. Der durchschaut die Lüge mühelos, erkennt aber auch, dass sie dem Händler wohl wirklich helfen könnte. Also einigen sich die beiden darauf, dass Bjomolf sie laufen lässt, wenn
Nanulu
den Händler rettet. Und sie tut dies tatsächlich, mit flinken Fingern und anatomischen Kenntnissen, ganz ohne Magie. Bjomolf ist beeindruckt; solche Fertigkeiten wären auf einem Schiff äusserst nützlich. Also bietet er
Nanulu
den Posten eines Schiffsarztes an, und nach kurzer Verhandlung werden die beiden sich einig.

Als Morwr realisiert, dass neben ihm gerade ein Kapitän jemanden anheuert, und da ihm Brufnig wieder bedenklich böse Blick zuwirft, bietet er sich Bjomolf als Seemann an. Dieser zögert verständlicherweise zuerst, den Kerl im Frauenkleid anzuwerben; da er aber vermutet, dass Morwr der einzige anheuerbare fähige Seemann in dieser Stadt ist, finden sich eine Stunde später nicht nur Nanulu, sondern auch Morwr bei der Hunt of Bliss ein.

*

Noch jemanden trifft Kapitän Arc vor seinem Schiff: Mervon Loggnar in Begleitung eines untersetzen Mannes mit dunkelblondem Bart und leuchtend roter Kleidung. Loggnar unterrichtet Bjomolf ebenfalls von den neuen Zöllen und meint dann, dass er sich vorstellen könne, Arc sei wenig geneigt, sie zu entrichten. Daher möchte Bjomolf vielleicht die Bekanntschaft seines Begleiters machen, des Quarensers Ollman, Sohn des Ollman. Und tatsächlich hat Ollman einen interessanten Vorschlag zu machen: Sein Onkel Ergard ist diesen Morgen an einer Krankheit verstorben, und Ollman möchte ihn zurück in sein Dorf für die Beisetzung bringen. Dies muss vor morgen Abend geschehen, da Ollman es für möglich hält, dass Ergard sich mit Sutekhs Gabe infiziert hat und daher in jener Nacht als Untoter auferstehen könnte, wenn er nicht rechtzeitig angemessen beigesetzt wird. Da die Fahrt etwa 12 Stunden dauert, wäre dies gut machbar. Im Gegenzug bietet Ollman an, der Hunt of Bliss eine geheime Passage durch den nordwestlichen Kranz zu zeigen; so könnten die imperialen Zölle umgangen werden. Da Kapitän Arc sowieso westwärts fahren wollte – durch die Strasse von Odrask in die See von Gehenna, vorbei an nach Melweth -, sagt er ohne Zögern zu.

*

Die Fahrt beginnt für den Kapitän ungewohnt erfreulich: Innert dreissig Minuten ist klar, dass Morwr ein wahrer Meister seines Faches ist; einen sichereren Steuermann hat Bjomolf noch nie gesehen. Die Mannschaft kann ganz ungewohntes Verhalten beim bisher stets verdriesslichen Kapitän beobachten: Immer wieder tritt er neben Morwr und klopft ihm wortlos auf die Schultern, und sein Schritt wirkt beschwingt.

Gegen Abend entdeckt die Besatzung der Hunt of Bliss ein eigentümliches Bild: Auf einer kleinen Insel steht ein Oger mit feuerrotem Sonnenbrand und schwenkt wie wild einen ausgerissenen Baum, um die Aufmerksamkeit des Schiffes zu gewinnen. Der Leser mag schon ahnen, dass es sich dabei um Lilith handelt, der den ganzen Tag auf seinem Eilande ausharrte und sich schon zu überlegen begann, ob Zombies eigentlich geniessbar sind. Nun wird er tatsächlich an Bord der Hunt of Bliss geholt und auf der Stelle von Kapitän Arc angeheurt – getreu der Weisheit „Ein Oger an Bord ist eine Verstärkung, zwei sind ein Problem, mehr eine Katastrophe“. Dabei ignoriert der Kapitän den vehemente Protest Calberts, sie hätten nicht genug Proviant, auch noch einen Oger durchzufüttern. Auch die Aussicht, bei den Quarensern weitere Vorräte aufnehmen zu können, beruhigt den Schiffskoch nicht, weiss er doch, dass es bei den bodenhassenden Sektierern keine Rüben gibt (man stelle sich das mal vor!).

Noch etwas anderes bereitet Calbert Sorgen, und dieses Mal werden seine Bedenken ernst genommen: Der gebildete Schiffskoch hat die zwei von Lilith niedergestreckten Zombies gesehen und erkannt, was die Zeichen auf ihrer Stirn zu bedeuten haben, nämlich dass diese Untoten von einem Wiedergänger mittels signographischer Nekromantie gebunden wurden. Sollte sich tatsächlich ein Wiedergänger hier herumtreiben, könnte dies eine ernste Gefahr bedeuten.

Dennoch verstreicht die Nacht ereignislos, während die Hunt of Bliss ankert. Der Kapitän ernennt Lilith zu dessen Freude zum Meister der Waffenkammer; sofort verlegt der waffennärrische Oger sein Quartier in diese enge Kammer. Auch plant er, alle Waffen des Schiffes auf seinem Leib zu tragen, „um besser auf sie aufpassen zu können.“ Die kleine Kanone im Heck der Hunt of Bliss wird von Lilith aufmerksam gepflegt und zärtlich gestreichelt.

Bjomolf und Calbert unterhalten sich auch mit Ollman. Sie werden nicht ganz schlau aus dem Quarenser, der einerseits mit unerschütterlicher Überzeugung seinen wirren Glauben hoch hält, andererseits aber einen besonnen und pragmatischen Charakter hat und sich sehr für die Maschine des Schiffes interessiert. Wenn er auch um seinen Onkel trauert, so lässt er sich vorerst davon nicht aufhalten. Ollman hinkt stark wegen einer Kriegsverletzung; im Krieg hat er als Lederbauch auf Yumenech gedient. Dem will er sich auf keinen Fall beugen, da er jeglichen Herrscher auf dem Boden ablehnt. Seine Einstellung wird von seinen Glaubensbrüder geteilt. Etwa 500 Quarenser bewohnen diesen Teil Gelbwassers in verstreuten Ansiedlungen, und das Imperium weiss nichts davon. So weist Ollman bei der Weiterfahrt am Morgen etwa Bjomolf auf eine Stelle hin, wo nur aus dem Meer aufsteigender dichter Dampf zu sehen ist. Hinter dem Dampf liege das Haus Volgars versteckt.

*

Das Dorf der Quarenser liegt versteckt an einer kleinen Bucht an der Mündung zweier Bäche; es besteht aus etwa zehn Wohnhäusern mit Nebenbgebäuden und einer grossen Versammlungshalle, wo sich die verstreut lebenden Quarenser jeweils zur Messe treffen. Hinter dem Dorf liegt der Lebende Boden, eine weites gelb-weisse Fläche voller Geysire, Fumarolen und heisser Quellen: ein sehr beeindruckender Anblick, aber auch sehr gefährlich, wie Ollman erklärt: „Wen jemand über den Lebenden Boden geht, dann kann plötzlich der Boden aufbrechen und kochend heisses Wasser hervorschiessen. Schon manch einer hat so sein Bein oder gar sein Leben verloren.“ Ein hölzerner Steg führt über den Lebenden Boden zu wieder festem Grund, auf dem eine grosse Totenhalle und ein kleines Häuschen stehen.

Über jenen Steg geht Ollman, während sich seine Gattin der Gäste annimmt. Ihr Name ist Bunda, eine zierliche, blonde, blasse Frau, und sie ist hochschwanger. Sie bewirtet die Mannschaft der Hunt of Bliss mit Brot, Käse und getrocknetem Fisch. Kurz darauf kehrt Ollman zurück mit Mutter Yarena, der örtlichen Priesterin der Epsis. Als sich die Dorfbewohner versammelt haben, tragen sie Ergards Leiche in einer kurzen Prozession über den Steg vor die Totenhalle, wo Yarena sie rituell reinigt und ein kurzes Gebet spricht. Danach wird die Leiche in einem Sarg in die Totenhalle gebracht. Ollman hält eine kurze Rede und lädt alle zu einem Umtrunk an diesem Abend in seinem Haus ein. Dann gehen die Quarenser zurück an die Arbeit.

Mutter Yarena ist eine rundliche kleine Frau mit plumpem, aber sympathischem Gesicht voller Lachfalten und langen silbergrauen Haaren. Sie trägt eine einfache dunkelblaue Robe, auf die ein grosser weisser Halbmond gestickt ist. Nach der Bestattung tritt sie an Kapitän Arc heran mit einer Bitte: „Ich mache mir Sorgen um zwei Mitglieder unserer Gemeinschaft, Volgar und seine Gattin Memieth. Sie wohnen nicht weit von hier, doch habe ich länger nicht mehr von ihnen gehört, und sie haben die letzten beiden Messen verpasst. Ollman hat mir von den Untoten erzählt, die Euer Oger erlegt hat, und dies hat meine Sorgen verstärkt. Ich möchte Euch bitten, zu Volgars Haus zu fahren und nachzuschauen, ob alles in Ordnung ist.“ Da Kapitän Arc weiss, wo Volgar lebt, kann er abschätzen, dass dieses Unterfangen vor dem Abend erledigt wäre, und Ollman will sie am nächsten Tag durch den Kranz führen. Yarena kann nur ein paar Taler und den Segen der Königin Epsis als Lohn anbieten, aber Bjomolf sagt doch zu.

*

Drei Stunden später finden wir unsere Helden im Beiboot der Hunt of Bliss, welches Lilith durch übel riechenden, dichten gelblichen Dampf rudert, hinter dem Volgars kleine Insel liegt. Da beginnt das Quaiden Yü (hier muss der Autor zugeben, dass er den Namen jenes Artefakts immer noch nicht wirklich kennt) über Calberts Brust zu zittern. Calbert holt es hervor, und es richtet sich sofort in seiner Hand auf; eine seiner Spitzen rotiert wie wild, während diese Spitze auf etwas zu zeigen scheint, welches sich in einem weiten Bogen dem Boot von Steuerbord nähert. Calbert alarmiert seine Begleiter, und gebannt starren alle in den bedrohlich undurchdringlichen Dunst hinaus. Plötzlich taucht ein grosser, langgezogener, grau-grüner Umriss aus dem Wasser auf und rammt das Boot heftig. Lilith kann es nicht mehr ruhig halten, und so kentert das Boot.

Unsere Helden finden sich im Wasser wieder, das zum Glück nur etwa brusttief ist. Um das Boot verteilt, die Waffen gezogen, versuchen sie, ihren Angreifer im Dunst auszumachen. Calbert und Morwr entdecken ihn gleichzeitig: ein gewaltiges Krokodil, dass gerade auf die beiden zuschiesst! Die Bestie schnellt aus dem Wasser, und einen Moment lang starrt Morwr in einen mit mörderischen Zähnen bewehrten Schlund. Der Seeman schlägt zu und treibt seinen Säbel in diesen Schlund, doch zugleich erwischt das Krokodil ihn am Kopf und reisst ihn unter Wasser. Während Morwr und Krokodil unter dem gekenterten Boot verschwinden, schlagen Bjomolf und Calbert zu und verwunden das Tier.

Lilith greift beherzt unter das Boot, packt das Krokodil an den Vorderbeinen und zieht es unter dem Boot hervor. Die Bestie schnappt sofort nach des Ogers Kopf, doch Calbert wirft sich von hinten gegen ihren Leib und drückt sie etwas zur Seite – die Kiefer schnappen dicht neben Liliths Kopf zu.
Nanulu
klettert auf das gekenterte Boot, und Bjomolf verpasst dem Krokodil einen weiteren Hieb. Morwr, von seinem halb weggerissenen Gesicht wenig beeindruckt, stösst unter Wasser noch einmal seinen Säbel in des Krokodils Leib, bevor er auftaucht. Lilith verstärkt seinen Griff um das Krokodil, wird aber trotzdem einmal in die Schulter gebissen; dann drückt er das gewaltige Tier mit unmenschlicher Kraft gegen das Boot, während seine Gefährten weiter darauf einhacken.

Nun ist auch klar ersichtlich, dass das Krokodil bereits tot sein sollte – es ist bereits angefault, und ihm fehlen mehrere grosse Fetzen Fleisch. Zwischen den Augen trägt es das Signum, welches auch die beiden Zombies auf Liliths Eiland aufwiesen.

Nun schnappt das Krokodil nach
Nanulu
auf dem Boot. Die Elfe sieht schon fast das Maul sich um sie schliessen, als Calbert dem Krokodil seinen Rapier aufs Maul haut und es so gerade lange genug bremst, dass Bjomolf und Morwr ihre Klingen in seinem Leib versenken können. Das Krokodil gibt sein untotes Dasein auf.

Nachdem die Verwundeten versorgt wurden – Morwr wird sicherlich einige beeindruckende Narben behalten -, setzen unsere Helden ihren Weg schmutzig, nass und übelgelaunt fort. Sie finden auch tatsächlich bald das Haus Volgars und darin dessen schrecklich zugerichtete Leiche. Volgar ist schon seit fast zwei Wochen tot und weisst unzählige Spuren eines wohl menschlichen Gebisses auf – keine Frage, dass ihn der Wiedergänger heimgesucht hat! Die Untersuchung des Hauses liefert keine Anzeichen dafür, dass sich jemand mit Gewalt Zutritt verschafft hätte. Auch von Memieth fehlt erst jede Spur, dann aber entdeckt
Nanulu
Schleifspuren vor dem Haus, welche in Richtung Wasser führen. Der Verdacht liegt nahe, dass die unglücklichen Quarenser ihren Mörder ins Haus liessen, und dass dieser nach getaner Untat die Leiche Memieths zum Wasser schleifte.

*

Es ist bereits am Eindunkeln, als die Hunt of Blisszum Dorf der Quarenser zurückkehrt.
Nanulu, Morwr und Calbert treten gleich in Ollmans Haus, während Bjomolf und Lilith sich über den Steg zu Yarena begeben, um ihr von ihrem grausigen Fund zu berichten. Die Priesterin wirkt entsetzt, doch bevor sie viel sagen kann, kommt Calbert angerannt, in der Hand noch einen Becher mit Rum, und meldet, dass Bundas Fruchtblase eben geplatzt sei und sie eine Frühgeburt erleide!

Mutter Yarena eilt mit Calbert zurück, während Bjomolf und Lilith sich in der angebrochenen Dunkelheit gemütlicher auf den Weg machen. Sie wollen gerade den Steg betreten, als Lilith das Geräusch splitternden Holzes hört. Das Geräusch kam von der Totenhalle her. Die beiden Männer ziehen ihre Waffen und vernehmen nun ein schlurfendes Geräusch; dann taucht eine dunkle Gestalt im Eingang der Totenhalle auf: noch ein Zombie!

Das Quaiden Yü meldet Calbert, dass etwas Übernatürliches bei der Totenhalle vor sich geht. Grummelnd wirf er den Becher in seiner Hand weg und rennt einmal mehr über den Steg, um nach seinem Kapitän (und wohl auch dem Oger) zu sehen. Als Calbert bei der Totenhalle anlangt, hat Bjomolf bereits den Kopf des Zombies von dessen Schultern getrennt, und zusammen mit dem zaudernden Lilith hat er die Totenhalle betreten, um nach dem Rechten zu sehen. Calbert, der eine Kerze bei sich trägt, besieht sich den abgetrennten Kopf des Zombies und sucht nach einem Signum. Vergeblich, dieser Untote ward nicht gebunden, doch dafür erkennt er den Toten: Es ist Ergard, den Yarena doch eben noch von Sutekhs Gabe gereinigt hatte..

In der Totenhalle entdecken Bjomolf und Lilith einen Sarg mit zersplittertem Deckel, sonst aber nichts Ungewöhnliches. Der plötzlich mit einem abgetrennten Kopf in der Tür stehende Calbert erschreckt sie allerdings gehörig. Gemeinsam machen die drei sich auf den Weg zu Ollmans Haus, um Yarena zur Rede zu stellen. Dass Ergard sich als Untoter erhob, lässt übelsten Pfusch der Priesterin vermuten.

*

Als Bundas Fruchtblase platzte, hat sich
Nanulu
ihrer angenommen. Nun stösst Yarena hinzu und übernimmt das Zepter, während die Elfe ihr hilft. Morwr hat sich in der Stube hingesetzt mit einer Flasche Rum und der Absicht, seinen noch immer schmerzenden Kopf zu betäuben (von durchaus angebrachter Bettruhe scheint er nichts zu halten).

Als Calbert Yarena vom Geburtsbett wegholt, muss
Nanulu
doch wieder alleine übernehmen. Kapitän Arc berichtet der Priesterin von dem unerwarteten Wiedersehen mit Ergard. Diese reagiert schockiert und drängt darauf, noch einmal die Totenhalle genauer zu inspizieren. Auch der mit scharfer Menschenkenntnis ausgestattet Kapitän kann in ihrer Bestürzung nichts Unechtes erkennen. Arc lässt Morwr holen, der sich nur widerstrebend von der unterhaltsamen Flasche Rum trennt, deren Bekanntschaft er eben machte.
Nanulu
bleibt zurück, um sich um die gebärende Bundra zu kümmern.

Auf dem Weg fragen Bjomolf und Calbert Yarena, wie es denn sein könne, dass sich Ergard erhoben habe, obwohl sie das Ritual zur Reinigung von Sutekhs Gabe durchführte. „Es gibt noch andere Gründe, warum sich ein Toter erhebt, etwa durch Nekormantie. Und in der Gegend treibt sich offensichtlich ein Wiedergänger herum…“ Diese Erklärung akzeptieren unsere Helden vorerst, wobei sie übersehen, dass der Zombie Ergard kein Signum auf der Stirn trug.

In der Totenhalle ist noch immer alles ruhig. Während Calbert und Morwr sich etwas umsehen und Lilith als Wache an der Türe bleibt, geht Bjomolf mit Yarena zum aufgebrochenen Sarg. Yarena beugt sich darüber und besieht sich den Schaden. Dabei erklärt sie: „Ich muss gestehen, Kapitän, dass ich vorhin nicht ganz ehrlich war: Ergard erhob sich durchaus wegen Sutekhs Gabe. Ich hatte nur noch keine Gelegenheit, ihn zu binden.“ Und bei diesen Worten durchschlagen plötzlich tote Arme die Deckel der umstehenden Särge!

*

In Ollmans Haus treten unterdessen Komplikationen auf. Bundra wird beständig schwächer, und
Nanulu
muss ihre ganze Heilkunde aufbringen, ihr beizustehen. Da entdeckt sie, dass das Kind verkehrt liegt! Glücklicherweise kennen elfische Heilkundige eine Operation für solche Fälle, diese is aber nicht gerade einfach und mit grossen Gefahren verbunden.

*

Während sich die Untoten von ihren Ruhestätten erheben, erkennen unsere Helden nun, dass es sich beim ominösen Wiedergänger um Mutter Yarena handeln muss, und dass die vermeintliche Priesterin sie in eine Falle gelockt hat. Noch bevor die Zombies sich vollständig erhoben haben, strecken Calbert und Morwr die ersten von ihnen bereits wieder nieder. Lilith rennt los, seinem Kapitän beizustehen. Mutter Yarena beginnt, mit der rechten Hand ein Zeichen vor sich in der Luft zu malen, kann es aber nicht beenden, weil ihr Bjomolf einen Schwerthieb auf den ausgestreckten Arm verpasst.

Einzelne Zombies, alle mit dem schon bekannten Signum, haben sich nun erhoben und wanken auf die vier Lebenden zu. Lilith macht im Vorbeirennen ein oder zwei nieder, ebenso wie Morwr, der an die Seite Bjomolfs eilt. Calbert stellt sich einer Gruppe von 5 Zombies entgegen. Yarena weicht einige Schritte zurück und zeichnet erneut ihr Signum in die Luft. Dieses Mal ist Bjomolf zu langsam, sie daran zu hindern, und verspürt plötzlich einen brennenden Schmerz in seiner Brust, der sich über seinen ganzen Körper ausdehnt. Zugleich kann er beobachten, wie Yarenas Wunde am Arm sich zu schliessen beginnt. Der Kapitän wurde soeben Opfer von Thugrukhans Recht.

Immer mehr Zombies kommen von allen Seiten herbei, zumeist in kleinen Gruppen. Morwr drängt einen der Untoten zurück und verschafft sich kurz einen Überblick: Wenn er es auch in der Dunkelheit in den Tiefen der Halle nicht viel ausmachen kann, so erkennt er doch, dass sich noch Dutzende von Zombies in ihr befinden!

Erneut schlägt Yarena ihr Signum. Doch Bjomolfs Angriff kommt jetzt zu schnell und zu präzise. Mit zwei schnellen Schritten und einem makellos ausgeführten Hieb trennt er ihren Kopf von den Schultern. Yarenas Körper kollabiert, und einen Augenblick lang hoffen unsere Helden, dass dies auch für die Zombies gilt. Sie sehen sich aber enttäuscht: Die Zeichen auf der Untoten Stirn und damit die Bindung an die Wiedergängerin verschwinden zwar, die Untoten geben aber noch keine Ruh. Im Gegenteil, von unheiligem Hunger getrieben, rotten sich immer mehr von ihnen zu immer grösseren Gruppen zusammen.

Unseren Helden wird klar, dass sie die Totenhalle verlassen müssen, bevor sie vollständig umzingelt sind. Sie sammeln sich um Bjomolf und beginnen, sich einen Gang zwischen zwei Sargreihen hinab zu kämpfen, um zum Ausgang zu kommen. Calbert und Lilith bilden die Nachhut; der Schiffskoch nutzt seine stupende Verteidigungstechnik, um den Oger zu decken, der mit gewaltigen Ankerhieben einen Untoten nach dem anderen zur Ruh legt. Dabei weichen sie Schritt um Schritt zurück. Doch trotz ihren Anstrengungen sammeln sich immer mehr Zombies zu einem immer grösseren Pulk hinter ihnen und dringen unaufhörlich auf sie ein.

Bjomolf und Morwr strecken mehrere Zombies voraus und an den Flanken nieder. Der Kapitän kommt trotzt der gefährlichen Situation nicht umhin, sich mit einem gewissen Stolz die Vorstellung seines alten Gracinglehrers vorzustellen ob dem meisterhaften Hieb, der Yarena niederstreckte.

Die vereinzelten Zombies zwischen unseren Helden und dem Ausgang drohen sich zu einem grossen Haufen zusammenzurotten. Dies gilt es mit allen Mitteln zu verhinden: Vereinzelte Zombies sind eine weit weniger grosse Gefahr, und ein zweiter grosser Pulk vor ihnen könnte die vier Männer mühelos umzingeln. Also legt Morwr nun seine Donnerbüchse an und verwandelt mit einem lauten Knall einen breiten Streifen vor sich in einen Sturm aus Schrott und Pulverrauch. Als sich der Dampf verzieht, sind drei Zombies zerfetzt, und eine Schneise zum Ausgang hin wurde in ihren Haufen gerissen.

Morwr ist der erste, der in die Lücke zwischen den Zombies eilt, er will die Schneise unbedingt halten. Doch da springt ihn ein Untoter an und beisst ihn in den Kopf. Von seiner früheren Wunde noch immer geschwächt, verliert Morwr das Bewusstsein und bricht gleich neben dem Eingang zusammen. Dies bringt unsere Helden in ernste Bedrängnis, denn jetzt sehen sie sich, kurz vor dem rettenden Ausgang angelangt, tatsächlich von allen Seiten umzingelt!

*

Nanulu
arbeitet konzentriert und geschwind. Mit einem präzisen Schnitt hat sie das noch ungeborene Kind freigelegt; nun holt sie es vorsichtig heraus und durchtrennt die Nabelschnur. Das Kind ist gerettet, nun muss sich noch der Mutter annehmen. Und obwohl sie keinerlei fachkundige Unterstützung hat, kann sie Bunda stabil halten und den Schnitt wieder vernähen.

Mittlerweile herrscht Aufregung in Ollmans Haus: Die Geräusche eines Kampfes bei der Totenhalle wurden gehört. Die Quarenser eilen hinaus, um Waffen zu besorgen.
Nanulu
hat dies nicht nötig: Sie packt den Gürtel mit Handgranaten, den sie bei Betreten des Hauses abgelegt hat, und gibt Ollman einige knappe Anweisungen, wie er sich weiter um Bunda kümmern soll. Dann eilt sie hinaus und rennt zum Holzsteg.

*

Bjomolf hackt den Weg zum Ausgang frei, und Lilith versucht, von Calbert gedeckt, Morwr unter den Zombies hervor zu zerren. Sein erster Versuch scheitert jedoch, und schon drängen weitere Untote herbei. Mittlerweile sind auch Lilith und Calbert am Ende ihrer Kräfte und von zahlreichen Bissen und Hieben gekennzeichnet; nur der Kapitän, durch seine alte Rüstung geschützt, droht nicht gleich beim nächsten Treffer umzufallen. Und so zeigt sich in Liliths Augen einen Moment lang Panik, und er scheint ernstlich zu erwägen, Morwr zurück zu lassen. Bjomolf und Calbert aber bleiben entschlossen bei ihrem bewusstlosen Kameraden. Bjomolfs schnelle Schläge und Calberts geschickte Paraden verschaffen dem Oger wieder etwas Platz und Zeit, und nun kann er Morwr packen und mit ihm durch das Tor stürzen. Calbert und Bjomolf Arc folgen.

Draussen lässt Lilith Morwr unsanft fallen und wirft sich zusammen mit Calbert gegen die beiden Türflügel. Sie können sie gerade weit genug schliessen, dass kein Zombie hinaus kommt. Doch ein untoter Arm stösst durch den Spalt zwischen den Flügeln und trifft Calbert so hart am Kopf, dass dieser bewusstlos stürzt. Lilith kann die Türflügel selbst mit seiner gewaltigen Stärke nur mühsam halten. Da kommt Morwr wieder zu sich; einen Moment lang wundert er sich ob seiner pochenden Kopfschmerzen, wo ihn der Alkohol bloss wieder hingeführt hat, dann aber sieht er Calbert neben sich auf die hölzerne Treppe fallen, welche just von Bjomolf mit dem Schwert traktiert wird, und er hört Liliths Fluchen und der Zombies Stöhnen über sich. Also springt der einbeinige Seemann auf und wirft sich gegen einen Türflügel. Lilith und Morwr können das Tor unter Aufbietung aller Kräfte noch einmal zurdücken. Mittlerweile hat Kapitän Arc, wenn auch etwas betrübt über diese unedle Verwendung seines Schwertes, eine grosse hölzerne Planke frei gehackt. Er wuchtet sie hoch und verwendet sie, um das Tor zur Totenhalle zu verrammeln

Die improvisierte Barrikade wird kaum lange halten, aber sie gibt unseren Helden immerhin Gelegenheit zur Flucht. Morwr wirft sich den bewusstlosen Calbert über die Schulter, und gemeinsam rennen Kapitän, Steuermann und Oger auf den Steg über den Lebenden Boden. Ein lautes Splittern verrät ihnen, dass die Zombies Tor und Holzplanke durchbrochen haben, und ein Blick über die Schultern sagt ihnen, dass die Untoten ihnen über den Steg folgen.

Da kommt ihnen
Nanulu
entgegen gerannt, die bereits mit ihren Handgranaten hantiert. Auf halbem Weg über den Steg macht sie sich an die Arbeit, die Granaten für eine gezielte Sprengung zu platzieren, welche den Steg samt dem ein oder anderen Untoten vernichten soll. Da die Untoten sie schon fast erreicht haben, hält sie die Lunte kurz: nur etwa 5 Sekunden.
Nanulu
zündet und rennt ihren vorauseilenden Gefährten nach.

Eine gewaltige Explosion zerfetzt nicht nur den Steg und die vordersten Zombies, sondern reisst auch den dünnen Boden darunter auf. Kochend heisses Wasser und stinkender, mit Schwefel versetzter Dampf schiessen empor und verwandeln die Umgebung in ein einen stürmischen Kochtopf. Nur Liliths Beine sind schnell genug, ihn samt Calbert aus der Gefahrenzone zu tragen; er packt sogar noch Bjomolf und reisst ihn aus dem tobenden Sturm aus Wasser und Hitze heraus.
Nanulu
dagegen, die Dauer der Lunte perfekt einscätzenden, springt im richtigen Moment und lässt sich von der Druckwelle aus dem Gefahrenbereich schleudern. Sie landet hart, aber sicher und ohne ernste Verletzung. Einzig der einbeinige Morwr kommt nicht schnell genug weg und wird vom wogenden Dampf verschlungen. Doch noch immer ist das Tock-Tock seines Holzbeines zu vernehmen, und nach einigen Sekunden taucht er tatsächlich aus dem Dampf auf, rot wie ein gekochter Hummer.

*

Ein freundlicher Morgen blickt auf das Dorf der Quarenser nieder. Die Nacht brachte unseren erschöpften Helden Rast (und die lang ersehnte Gelegenheit, die Bekanntschaft mit quarensischem Rum zu vertiefen). Der Lebende Boden hat sich wieder beruhigt, nachdem er die meisten Zombies zerstörte; die vereinzelten Untoten, die dem Inferno entkamen, warden von den wachsamen Quarensern zur Strecke gebracht. Sobald das Licht es zuliess, tasteten einige Quarenser und auch die schon wieder nüchternen unter der Mannschaft der Hunt of Bliss sich vorsichtig über den Lebenden Boden, um sich die Totenhalle anzusehen.

So finden den Kapitän Arc,
Nanulu
und Calbert den abgetrennten Kopf Yarenas, der sich angesichts seiner Lage als recht umgänglich erweist. Noch immer steckt ein Rest von Bewegung im Kopf der einstigen Priesterin, wenn auch nicht im Rest des Körpers, und sie erklärt bereitwillig, wie es zu dem Zombieangriff kam: „Lange habe ich meiner Gemeinschaft gedient als Priesterin, und niemals hätte ich willentlich Schaden über sie gebracht. Dann aber kam ein Wanderer; seinen Namen nannte er nie, doch bin ich mir nun sicher, dass es Horgenz der Fehlgeleitete war. Er tötete mich und band meine Seele an meinen Körper und unterwarf mich seinem Willen. Er lehrte mich etwas Nekromantie und zeigte mir, wie man einen Untoten an seinen Willen bindet. Dann trug er mir auf, ein Heer von Untoten zu erschaffen, mit Geduld und List, und dann damit Gelbwasser zu verwüsten. Und auch wenn ich erkannte, welch gotteslästerliches Übel ich anrichten sollte, so konnte ich nicht anders, als seinen Weisungen folgen.
Untote vermochte ich nicht zu erwecken, doch nahm mir Sutekhs Gabe diese Arbeit ab. Statt die Toten von diesem Fluch zu befreien, wartete ich auf ihr Wiederauferstehen und band sie dann mit meinem Signum. Ich liess sie in ihren Särgen ruhen und die wenige Bewegung sparen, die sie besassen. Sobald ihre Zahl gross genug gewesen wäre, hätte ich sie zum Angriff erst auf das Dorf, dann auf den Rest Gelbwassers geführt. Bald schon wäre es soweit gewesen.
Wenn der Hunger nach Bewegung in mir zu stark wurde, suchte ich mir Opfer, und die letzten waren Volgar und Memieth. Als mir Ollman berichtete, ihr hättet mein Signum gesehen, hatte ich Angst, ihr würdet davon berichten und die Inquisition auf meine Spur locken. Deshalb sandte ich euch in eine Falle; das Krokodil wurde von Horgenz erweckt und von mir gebunden, und ich hoffte, es würde euch töten.
Nun habt ihr meinen Plan vereitelt, und ich kann euch nur danken dafür. Mein Pflicht war mir zutiefst zuwider und zugleich unentrinnbar. Eine Bitte möchte ich noch äussern: Bringt meinen Kopf bitte zu einem Tempel, auf dass meine Seele von ihm gelöst werden möge, und berichtet von den Vorfällen hier, dass das Tritheon gewarnt sei vor dem Treiben Horgenz'.“

Nanulu
zeigt wenig Neigung, dieser Bitte nachzukommen, plädiert dafür, Yarena eine Handgranate in den Mund zu stecken. Kapitän Arc, der ihre Wut zwar versteht, entscheidet hingegen, dass Yarena in dieser Sache selbst ein Opfer war, und erklärt sich bereit, ihren Kopf bei nächster Gelegenheit in einem Tempel abzuliefern.

Ollmans Gattin Bunda erholt sich übrigens gut von der schweren Geburt. Ihre gesunde kleine Tochter erhält den Namen
Nanulu.



Memorable Momente


Wie Morwr sein Bein verlor: Kielgeholt von Kapitän Orlecc Bitterhand. Unter einem Raddampfer hindurch. Und zu eines hungrigen Ogers Leidwesen hat er das abgetrennte Bein nicht aufbewahrt.

Einige filmreife Szenen: Morwr im Tutu und der grosse Zusammenprall; die Explosion. Und in der Totenhalle einer der spannendsten und dramaturgisch passendsten Kämpfe, an die der Spielleiter sich erinnern kann.

Als der Käpt'n die dunkle Totenhalle durchsucht, fragt der Spielleiter, ob er eine Kerze mitnehmen. Trockene Antwort: „Nein, natürlich nicht. Und die Waffen lassen wir auch draussen, und wir teilen uns auf. Und wir binden unseren rechten Arm an unser Fussgelenk. “

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