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die_wolds

Aus dem Werk „Meine Reise“ des noblen Gelehrten und Entdeckers, Seemeister Thomas Koch.
Buch 10 „Einhundert Nationen“

Tief im Süden, jenseits des Äquators, schmiegt sich ein Gebiet aus Atollen und Inseln an den Westrand des Gürtels. Entspringt ihm in einem Halbkreis, fast wie ein springender Fisch. Es ist ein Platz der Sonne und der Stürme, dies sind die Wolds.
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Gute hundert Meilen südlich des Äquators, wo der Gürtel sanft nach Osten hin abschwenkt, streckt sich eine Reihe von kleinen Inseln, Atollen und Riffen gen Westen. Wie die Sichel des abnehmenden Mondes stämmt sich diese kleine, eigene Welt in die Fluten des westlichen Ozeans. Nur ganz sacht berührt die südliche Spitze dieses Halbrunds den Gürtel.
Zwischen dem gürtel und den wolds herrscht eine starke, unberechenbare strömung, welche das erreichen der inseln schwierig macht. Seeleute aller völker nennen dies die gefrässige see. Unzählige strudel jeder grösse wirbeln wie augen oder mäuler in diesen wassern. Man erzählt von untiefen und riffen, die scheinbar verschwanden und auftauchten wie es ihnen beliebt. Glaubt man dem seemannsgarn verschlingen vielarmige monster ganze besatzungen und vielzahnige bestien jagen in dem dunklen nass nach leichter beute.
Findige kapitäne können die wolds an den spitzen erreichen, wenn sie willens sind den dortigen gefahren zu trotzen. Auch auf jenen passagen können wind, strömung und riffe jederzeit das ende bedeuten. Gerade die nördliche passage soll auch die gefahr von piraten und schlimmerem bergen, während kaum jemand so weit in den süden gesegelt ist, um den südlichen übergang zu finden und davon zu berichten.
Erreicht man allen widrigkeiten zum trotz die wolds, wähnt mann sich in einer anderen welt. Oder besser anderen welten. Dieser riesige riffgürtel ist so reichhaltig an verschiedenen lebensräumen jeder grösse, dass heere von kartographen sich eine lange zeit damit beschäftigen könnten.
Und doch gibt es muster, vorgegeben durch wind und wasser. An der nordwestküste dominieren schroffe felsinseln mit steilen, unzugänglichen klippen und stränden aus grobem kies. Hier wuchern vielerlei pflanzen und bäume, die man im norden auch kennt. Das rauhe klima und die niederschläge taugen den nadelgehölzen und farnen bestens. Seeadler jagen von unzugänglichen felsnasen aus und robben tummeln sich an den rauhen stränden.
Fährt man weiter der westküste entlang nach süden, werden wetter und formen milder. Die klippen der inseln sind rundgeschliffen und ausgespühlt, die strände sandig und eben. Wenige dieser eilande sind sehr hoch, aber die mehrheit hebt ihre steilen klippen dem starken westwind entgegen, der hier fast stehtig weht. Der sandige boden ist karger als im niederschlagsreichen norden, der bewuchs niedriger und stämmiger. Während das land wenig hergibt, tummeln sich in den windabgewannten gewässern reiche fischpopulationen.
Lassen wir weiter das innere links liegen und fahren ganz nach süden, in eine region voller atolle und vulkanischer eilande. Diese gegend muss aus den augen eines vogels aussehen wie ein haufen hingestreuter ringe und juwelen. Und auch unten, zwischen all den zauberhaft schönen inseln und bezaubernden atollen fühlt man sich wie in der schatzkammer der alten. Das wetter ist sanft und mild. Nur zur spätsommerzeit toben hier stürme und wetter. Die klare see, mannigfalltig gefärbt duch die untiefen und fahrbaren rinnen, die sandbänke und korallenriffe schillert in jedem erdenklichen blau- und grünton. Wäre es nicht so brandgefährlich zwischen diesen inseln zu kreuzen, müsste dies das paradies sein. Doch jede münze hat zwei seiten sagt man, und so ist es auch hier. Auf den inseln wachsen mehr giftige pflanzen, alls man kennen sollte, und schlangen, spinnen und faustgrosse mücken plagen den besucher der verschlungenen urwälder unablässig.
Nicht alle tierwelt ist aber garstiger natur, bunte fische und wasserschnecken tummeln in den riffen, krebse und muscheln gibt es zu hauf und in den wipfeln der bäume kreischen affen und farbige vögel um die wette.
Es fällt trotz der gefahren schwer sich wieder nach norden zu wenden, in die letzte der so unterschiedlichen regionen. Die ganze ostküste ist eine reihe flacher dünen- und koralleninseln. Nichts erinnert an die verspielten untiefen und riffe der südlichen spitze, hier umspühlt die see grobe felszacken und ewigwuchernede korallenbänke. Manche entragen kaum dem meer andere türmen sich zu öden bollwerken gegen die elemente auf. Vereinzelte gebiete sind voll mit heimtückischen untiefen von der grösse der imperialen metropole. Sandiger grund, der mit den gezeiten wandert, lässt karten als nutzloses notizpapier enden und beschränkt die wahl auf stranden oder zerschellen. Man mag sich vorstellen wie es in der gefrässigen see aussehen mag, wenn man durch diesen teil der wolds reist. Doch so nah die dunklen wasser auch sind, so sind diese tückischen inseln keineswegs ein finsterer, feindlicher ort. Die see ist keineswegs so stürmisch wie im westen und viele fische und auch schildkröten treffen einmal im jahr hier ein, um zu laichen. Diese wanderungen verschiedenster lebewesen verleihen der gegend einen eigenen kalender, und die herden wandern mit ihren jägern nomadengleich durch die tiefen wasser zwischen den eilanden.
Es soll, so munkelt man, noch eine eigenwillige region innerhalb der wolds geben. Selbst den wildesten fantasterein ist kaum mehr zu entnehmen als der name jenes ortes. Lairdlag.
Ja, namen. Um namen und die bewohner der wolds haben wir uns, der stillen betrachtung zu liebe, bisher gedrückt.
Ja, es leben menschen in dieser abgeschiedenen welt. Eine sehr eigene kultur verbindet unzählige stämme und sippenverbände zu einem eingenen, kleinen reich. Und wie alle namen, die wir zu benutzen gedenken, entstammt auch dieser der sprache der eingborenen, den Wollodrîn.
Doch zurück zu den namen. Die bereisten regionen der wolds haben natürlich ihre bezeichung, welche sie in der regel mit ihren bewohnern teilen. Die wollodrîn machen keinen grossen unterschied bei der bezeichnung eines lebensraums und dessen bewohnern.
Im norden also liegen die Fârwolds mit ihren schroffen felsen und kieselstränden, den robben und seeadlern.
Nach süden hin, wenn die kanten runder werden und der wind stetiger, sind wir in den Windwolds angekommen. Jener fischreichen gegend wo ein wall aus klippen die östlichen inseln vor den schlimmsten stürmen beschützt.
Am anderen, dem südlichen ende, wo wir uns im paradis wähnen könnten, liegen die Ringwolds mit ihren bunten tieren und tödlichen früchten.
Der gefrässigen see zugewannt, die ostküste hinauf, ziehen sich die Refwolds. Über dem wasserspiegel eine öde gegend, darunter jedoch eine wahre schatzkammer.
Es gibt noch ein paar namen, die einem unterkommen mögen, geheimnisvolle namen, Garamür und Lairdlag zum beispiel, Raungmüt oder Blakwolds. Ja, besonders blakwolds.
Doch zu diesen namen später.
Wenden wir uns den bewohnern dieser diversen gegend zu. Besser gesagt den unzähligen stämmen die selbst die völker der vier grossen wolds unterteilen, den einhundert stämmen der Wollodrîn.
Vorneweg, in den wolds leben keine monster, keine zwerge und elfen, schon gar keine orcs. Die wollodrîn sind soweit das herausgefunden werden kann, menschen. Wie die völker der alten welt sich unterscheiden obwohl sie einem schlag angehören, so unterscheiden sich auch die eingeborenen von den uns bekannten. Sie sind kleiner und drahtiger gebaut, nicht wie ein strassenjunge aus golgotha drahtig ist, eher als ob alles an ihnen etwas kleiner ist. Einem gut gebauten seemann geht der typische wollodrîn bis zur brust, ohne auf einen kräftigen körperbau verzichten zu müssen. Wirklich fette menschen findet man nicht, obschon gerade in den ringwolds schon der eine oder andere häuptling eine wampe angesetzt hat. Das soll da sogar als attraktiv gelten sagt man.
Kräftige kerle gibt es jedoch zu hauf, betrachtet man den aufbau dieser gesellschaft, sie sind nahezu ausschiesslich jäger, verwundert dies jedoch kaum.
Mit zugeständnissen an das klima ihres jeweiligen lebensraums, reicht der hautton von hellem, bronzenen taint bis zu einem gut gebräunten goldton. Die Augenfarben sind wie in unseren breiten sehr verschieden, doch scheinen brauntöne vorzuherschen. Es lohnt sich die augenfarbe eines wollodrîn zu erspähen, den sehr aussergewöhnliche farbtöne lassen meistens auf einer ihrer Lairds schliessen, doch dazu später.
Die gesichter sind, nicht nur bei den frauen, eher zierlich geschnitten. Einige seemänner haben gewitzelt, sie seien stromlinienförmig, und aller unhöflichkeit zu trotz stimmt das irgendwie.
Dieser eindruck wird oft durch den schnitt ihrer haare unterstützt, welche je nach region die vielfälltigsten formen annehmen. Die gesellschaft der wollodrîm benutz eine art haarkode, der auch stammesübergreifend zum tragen kommen kann. Ich komme nicht umhin, erneut ein paar begriff einzustreuen, ohne genauer darauf einzugehen. Der kopfschmuck und die art das haar zu tragen wird sowohl innerhalb der stämme zur erkennung von status und rang benutzt, als auch übergreifend durch die lairds, die reiter und weitenwanderer.
Ein kleines beispiel soll nun das allgemeine verständnis fördern. Die ringwold tragen ihr haar zum beispiel lang und zumeist offen, einem flüchtigen betrachter wird dies sehr natürlich und wenig geheimnisvoll erscheinen. Doch schon die anzahl zöpfchen im haar kann eine heiratsfähige frau von einer mutter unterscheiden. Oder die zu festtagen getragenen perlenketten, dem unwissenden schmeicheln sie mit glanz und farbe, einem ringwold verraten sie den status seines gegenübers, vielleicht auch den einen oder andern grossen jagderfolg.
Ganz anders als die runden, fliessenden formen der ringwolds sind da die wilden robbenjäger in der fârwold. Die bis auf einen kurzen haarknoten geschorenen köpfe wirken sehr viel archaischer und wilder. Wenn dann noch seesternstacheln eingeflochten werden, oder geschnitze haizähne am zopf klimpern, dann weiss auch jeder aus dem norden was man vor sich hat.
Zu denken, dass die wollodrîn schmuck nur für solche zwecke benutzen, wäre falsch. Bei einer reise durch die wold begegnet man unzähligen arten von schmuck. Ob banal getragen wie jederorts auch, stechen sich manche stämme allerlei kunstvolles duch ihre nasen, lippen und ohren, manche sogar durch die haut an stirn und brust. Wie ihre kleidung auch, so besteht der tand aus, kunstvoll geschnitzen, materialien die in dieser inselwelt verfügbar sind. Edle metalle, oder auch eisen findet man hier nicht. Jedenfalls keines, dass nicht getauscht wurde.
Man würde nicht denken, was man aus tang alles herstellen kann. Oder aus muschen, oder gräten oder sonstigem, das unsereiner als ausschuss wegwerfen würde.
Den handwerkern der wollodrîn muss man wirklich eine lanze brechen, ihre schnitzereien und exotischen meeresschätze zeugen von grossem können und sind schlicht wunderschön.
Zugegeben, ihr reservoir an skurilen Tieren und mineralien scheint auch nahezu unerschöpflich.
Tiere tragen nähmlich einen grossen teil zu den vorhandenen werkstoffen bei. In gewissen wolds wird fischleder getragen, andere benutzen pflanzenfasern und federn gleichermassen. Auch häute von landtieren werden gegerbt, nicht nur für kleidung, auch für allerlei anderes.
Die stämme leben, mal mehr, mal weniger, aus den meer und ab den inseln. Einige stämme in den refwolds sollen sogar ihr ganzes leben auf dem meer verbringen.
Aber nicht nur verarbeitete tiere landen in den haushalten der wolds, sondern auch eine vielzahl an lebenden helfern. Kormorane, die beim fischfang helfen, sind noch ein verständliches ding. Doch quallen um speisen zu würzen, schnecken als laternen und beunruhigenderes wie abgerichtete raubfische, stossen dann doch schwer gegen die tür zu unserer ideologie.
Und bisher haben wir von den kleinen helfern im alltag gesprochen, doch da ist mehr. Diese verbundenheit mit dem meer und dessen bewohnern scheint wirklich eines der grossen mysterien zu sein, die dieses volk hat. Glauben sie mir folgendes, so unglaublich es auch klingen mag. Doch habe ich es mit eigenen augen und gesundem geist gesehen:
In den refwolds gibt es stämme von nomaden, die auf riesigen krebsen reisen. Diese spezies benutz wie ein einsiedlerkrebs eine schale, auf welcher die refwolds ihre behausungen bauen. Ich wage kaum daran zu denken, wo diese immensen schalen herkommen.
Oder ganz zu beginn unserer reise, in den fârwolds, da haben wir eine gruppe jäger beobachtet, die zusammen mit schwertwalen robben gejagt haben. Das heisst sie sind auf den walen geritten, und haben sich gemeinsam mit ihnen auf ihre beute gestürzt.
Wir haben nicht einen dressierten affen gesehen und nicht einen domestizierten vogel.

Nun möchte ich etwas genauer auf ein paar begriffe und verhaltensweisen eingehen, die bisher zu kurz kamen, und einem unbeholfenen besucher dieser welt grosse ungemach bereiten können.
Nie, auf gar keinen fall, sprechen sie eine oder einen laird an!
Diese individuen sind eine art priesterkaste der wollodrîn, und verfügen über seltsame fähigkeiten. Nebst ihrem meist sehr auffälligen schmuck, sind die klaren, sapphirblauen augen ein gutes mittel diese würdenträger zu erkennen. Man sollte diesen, wesen könnte man fast sagen, grossen respekt zollen, und warten bis sie an einem herantreten.
Ebenfalls eine möglichkeit ärger zu bekommen, ist das herumposaunen des begriffs blakwold.
Was sich wirklich hinter diesem wort verbirgt konnten wir nicht entschlüsseln, doch ich bin mir sicher zumindest ein paar details enthüllt zu haben. Blakwolds könnten ein stamm sein, der gefallen ist, oder eine vereinigung gefallener wollodrîn. Abgefallen von was ist nicht zu erfahren, ich vermute ein art „religiöses“ schisma. Und sie sind ein gefürchteter feind, vorallem in den nord-nordöstlichen wolds. Und somit auch jenen, die die nordpassage zu durchfahren gedenken.
Meiden sie, wenn sie schon dabei sind, auch das wort garamür. Je nach gesellschaft kann das zu einigem trubel führen. Einer meiner offiziere hatte das wort bei spielenden kindern aufgeschnappt, und wollte mehr darüber in erfahrung bringen. Und die eher feindseelige distanz uns gegenüber, die uns das einbrachte konnte auch von einem kurzfristigen besuch einer laird nicht wirklich gelindert werden.
Was hinter diesem wort steckt, lässt sich nur raten. Ich würde fünf guinneen auf eine art spirituelles nirvana setzen. Obwohl mein offizier, nach seiner genesung, mit fünf dagegen hielt, und es als einen ort in den wolds vermutet.
Dann gibt es zwei sachen, die einem überall in den wolds begegnen wird. Octopoden und Jagdreiter.
Es gibt keinen grund diese aussergewöhnlichen und seltsamen gestallten zu meiden oder zu verneinen. Im gegenteil. Reiter sind ein wichtiger teil des volkes der wollodrîn als ganzes.
Eine art kriegerkaste, die über die teils winzigen eilande reitet, sollte man sich darunter aber nicht vorstellen. Erinnern sie sich an die wilden walreiter aus den fârwolds? Et voila, das waren reiter.
Vielleicht wundern sie sich jetzt, dass ich keinen exotischen namen parat habe. Nun es gibt keinen mit dem man die reiter zusammengefasst bezeichen könnte. Meinen erkenntnissen zu folge, bestimmt die art des reittiers den namen der reiterkaste, welche dann egal wo in den wolds so heisst. Fischjäger in den ringwolds, die sich an delphine klammern um ihr beute zu erhaschen heissen gleich wie ihre kollegen bei den refwold. Ob dies von einem gemeinsamen erbe herrührt, oder eine höhere struktur andeutet, vermögen höchstens die lairds zu sagen.
Den begriff, weitenwanderer, den ich vorgehend benutz habe, scheint auch in der kaste der reiter mit dazu zu gehören. Wir haben weder einen gesehen, noch näheres über sie erfahren können. Meinen betrachtungen zu grunde, dürften es auch eine art reitergruppieung sein. Welche tiere sie reiten wage ich nicht einmal zu raten. Nicht nach allem was wir gesehen haben.

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