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Das Flüstern


In der Oberstadt von Jankipar, und nirgends sonst, wächst ein einzigartiger Baum mit silbrig weisser Rinde, grossen gezähnten Blättern und kleinen roten Früchten. Und wenn auch nur wenige Zutritt haben zur Oberstadt von Jankipar, so ist dieser Baum doch bekannt im ganzen Grenzgürtel und weit darüber hinaus. Denn aus seiner Rinde, seinen Blättern und seinen Früchten lässt sich ein Rauschmittel gewinnen, das Flüstern.

Das Flüstern verhilft zu einer angenehmeren Wahrnehmung der Welt. Es legt einen dämpfenden Schleier über die Sinne, und es unterdrückt unangenehme Empfindungen. Furcht, Trauer und Hoffnungslosigkeit entschwinden in einem behaglichen Zustand dämmriger Euphorie.Nichts ist mehr bedrohlich, alle Wünsche scheinen nur einen Schritt von der Erfüllung entfernt. Träume unter dem Einfluss des Flüsterns zeigen dem Schlafenden fast immer eine perfekte Welt, in der all seine Wünsche ganz selbstverständlich erfüllt sind. Der Name der Droge rührt daher, dass der Anwender, egal ob wache oder träumend, beständig leise, beruhigende Stimmen hört, die ihn bestärken, ermutigen und trösten.

Das beste Flüstern wird aus den Früchten des Flüsterbaums gewonnen. Seine Wirkung hält mindestens zwei Tage an und entschwindet dann sanft. Selbst wenn der Rausch vorbei ist, fühlt sich der Anwender noch zuversichtlich und erholt. Wenn im Frühsommer die Früchte des Flüsterbaumes reif sind, findet in Jankipar ein zweiwöchiges Fest statt. In der Oberstadt essen die Aristokraten dann die Früchte direkt vom Baum, und traditionell werden von jedem Flüsterbaum siebzehn Früchte an Bewohner der Unterstadt verteilt. Und wenn diese Früchte auch überall begehrt sind und einen hohen Preis erzielen, verlassen nur wenige davon die Stadt. Was an Flüsterfrüchten nicht in dieser Zeit der Ausschweifung verzehrt wird, wird getrocknet und eingelagert. Die getrockneten Früchte sind zwar weniger potent, aber lange haltbar, und sie werden mit grossem Gewinn nach Yumenech, Melweth und Valerien verkauft.

Aus der Rinde gewonnenes Flüstern wirkt nur etwa einen halben Tag, hat aber auch eine aufputschende und besonders euphorisierende Wirkung. Im Krieg diente ein Sklavenregiment aus Jankipar, genannt die „Stillen Sklaven“, dessen Mitglieder allesamt flüstersüchtig waren. Vor einer Schlacht erhielten diese Krieger Flüstern aus Rinde, und sie kämpften danach mit unvergleichlicher Todesverachtung und Ausdauer; nach der Schlacht erhielten sie getrocknete Flüsterfrüchte als Belohnung. Von ihren Verbündeten wurden sie zugleich bewundert für ihre Disziplin und ihren Kampfkraft und bedauert oder gar verachtet ob ihrer Unfreiheit und ihrer Sucht. Beim Fall von Eschaton wurden die Stillen Sklaven bis zum letzten Mann niedergemacht; sie starben in Glückseligkeit.

Flüstern aus den Blättern des Baumes ist vor allem in Jankipar einigermassen erschwinglich; die Blätter können getrocknet und dann gekaut oder für einen Aufguss verwendet werden. Die Wirkung beim Kauen hält etwa einen Tag an, bei einem Aufguss nur einige Stunden, dafür können die Blätter mehrmals verwendet werden. Ebbt der Rausch von Flüsterblättern ab, hinterlässt er dumpfe Niedergeschlagenheit, die in Jankipar einfach „Das Danach“ genannt wird und auf vielen Gesichtern zu entdecken ist. In jeder Stadt des Grenzgürtels ist Flüstern aus Blättern erhältlicht.

Flüstern macht hochgradig süchtig, vielleicht nicht beim ersten oder zweiten Konsum, doch wer mehrmals davon isst, dem erscheint die Welt im Danach zunehmend bedrohlicher und freudloser, und das Sehnen nach der Unbeschwertheit des Flüsterns wird immer stärker, bis dieses Sehnen das ganze Denken und Wollen ausfüllt. Wer schon länger süchtig ist, dessen Glieder werden zittrig, wenn er nüchtern ist, und sein Gang wird schwankend. Zudem hat Flüstern einen seltsamen Effekt auf die Augen: Es führt zu Farbenblindheit. Es beginnt damit, dass der Süchtige Violett nur noch als Grau sieht. Dann verliert er die Fähigkeit, Blau wahrzunehmen, gefolgt von Grün. So geht es weiter, bis die Welt des Süchtigen fast nur noch aus Grautönen besteht. Einzig Rot kann jeder Flüstersüchtige noch sehen, und langjährige Abhängige erkennt man leicht daran, dass sie jede rote Farbe fasziniert anstarren. Dies ist übrigens auch der Grund, warum für roteFärbemittel in Jankipar ein so hoher Preis bezahlt wird.


Regeln


Wer unter dem Einfluss des Flüsterns steht, der kann alle Mali wegen Passions ignorieren. Ein Flüstersüchtiger erhält ein entsprechendes Craving (welches ein früheres Craving ersetzt). Solange er den Malus vom Craving Flüstersüchtig erhält, kann er keine Boni von anderen Passions erhalten, und dieses Craving gibt einen Malus nicht nur wenn der Süchtige direkt dagegen handelt, sondern immer, wenn seine Handlung nicht direkt der Befriedigung seiner Sucht dient.

flstern.txt · Zuletzt geändert: 2018/07/29 18:17 von 127.0.0.1