Goldalbatros
Aus den Aufzeichnune Olcurs des Reisenden:
„Von den warmen Gegenden des Grenzgürtels bis in den hohen Norden lässt sich der Goldalabatros finden, ein majestätischer Vogel von unvergleichlicher Flugkunst. Sein Bauch ist von leuchtend goldgelber Farbe, so dass er in seinem ruhigen, mühelosen Fluge wie eine kleine Sonne am Himmel wirkt; es verwundert nicht, dass dieser Vogel dem Herrn Morenu heilig ist. Dazu kommt, dass der Goldalbatros von unübertroffener Treue ist: Kaum flügge, sucht er sich seine Gattin; das Paar bleibt sich ein Leben lang treu, und wenn einer der beiden stirbt, so folgt ihm der andere bald nach aus Trauer.
Der Goldalbatros vermag ungeahnte Weiten zu überfliegen und kann sich wochenlang am Himmel halten, ohne je zu landen. In der Tat ist es ihm zuwider, die Lüfte überhaupt zu verlassen, und er tut dies nur an einem einzigen Ort. Hier baut er sein Nest, hier legt er seine Eier, hier zieht er seine Jungen gross. Nirgends sonst landet der Goldalbatros, und wie weit er sich auch von diesem seinem Zuhause entfernt, so führt in ein unbekannter Instinkt doch immer wieder dahin zurück. Selbst über die gleichförmigste See hinweg weiss der Goldalbatros unfehlbar sein Nest anzusteuern.
Dieser Orientierungssinn aber kann dem Goldalbatros auch zum Verhängnis werden, fangen ihn in manchen Gegenden doch Fischer und sperren in hölzerne Käfige. Fahren diese Fischer nun auf die hohe See und verlieren ihre Richtung, so lassen sie den Goldalbatros frei. Dieser fliegt schnurstracks zurück zu seinem Neste und zeigt den Fischern so, in welcher Richtung ihre Insel liegt. Manche Fischer gehen gar soweit, gleich ein Paar einzufangen, auf dass sie sich zweimal die Richtung anzeigen lassen können. Für den Goldalbatros ist diese Praktik eine doppelte Qual: Zum Einen ist ihm die Gefangenschaft selbst zuwider, und er, der sonst so majestätisch in der Weite des Himmels lebt, bietet ein jämmerliches Bild in der Enge eines Käfigs. Zum Anderen aber lässt sich der Goldalbatros am Besten fangen, derweil er Junge in seinem Nest hat, und diese müssen ohne die Fürsorge der Eltern elend zugrunde gehen.
Den Dienern des Herrn Morenu ist dieses Fangen des Goldalbatros deswegen äusserst zuwider, und so manch ein Priester hat in seiner Predigt schon dagegen gewettert. Andere gehen noch weiter, versuchen Einfluss zu gewinnen auf Machthaber und das Fangen verbieten zu lassen. Und einzelne schliesslich werden gar handgreiflich: In Melweth hat der Primarch Bors sich die Fischer zum Feinde gemacht mit seiner Kampagne wider diese Praktik, und kürzlich kam es zu einer wüsten Rauferei zwischen ihm und drei Fischern. Da solcherlei Treiben in Melweth verboten ist, fanden sich alle vier wieder im Gefängnis – man stelle sich vor: ein Primarch des Tritheons und Hohepriester des Wächters der Ordnung, eingekerkert wie ein gemeiner Verbrecher!“
