Inquisitor Tycho Gormenghast
Aus den Aufzeichnung Olcurs des Reisenden:
„In den Häfen des Grenzgürtels hat man mir eine Vielzahl an Geschichten erzählt über den wandernden Inquisitoren Gormenghast; viele davon liegen weit jenseits von Unglaubwürdig. Hier will ich nur einige wiedergeben, welche ich mehrmals hörte und mir zumindest ein Körnchen Wahrheit zu enthalten scheinen:
Tycho Gormenghast kam noch vor dem Krieg in den Grenzgürtel auf der Suche nach dem letzten Sprössling einer Familie von Schwarzfrevlern, die er in Atyersus ausgelöscht hatte. Der Gesuchte floh in die gewaltige, pfadlose Wildnis von Gatruush, wo er sich verständlicherweise unauffindbar wähnte. Gormenghast fand ihn dennoch nach fast drei Jahren Suche, als Sklave eines Orkstammes. Also attackierte Gormenghast mit einer Handvoll Männer die Orks, schlug sie in blutigem Kampfe und befreite den Gesuchten, nur um ihn endlich dem Scheiterhaufen zuzuführen.
Auf Gultrund kam Gormenghast einst in ein kleines Dorf und entdeckte einen infernalischen Kult. Er führte jede lebende Seele in diesem Dorf dem Feuer zu, selbst die Säuglinge.
Einige Bürger zeigten nahe Elfentor ein Kräuterweib an als Schwarzfrevlerin. Nun wird diese Tätigkeit überall im Grenzgürtel mit Misstrauen beäugt, und wer sie ausübt, muss oft als Sündenbock herhalten in schlechten Zeiten. Kein derart angeklagtes Kräuterweib kann mehr erwarten als einen Scheinprozess oder einen Lynchmob. In jenem Falle aber nahm Inquisitor Gormenghast sich der Sache an. Das Kräuterweib befand sich eine Woche in seiner Obhut, und oft konnten ihre gemarterten Schreie vernommen werden. Dann aber ward sie freigesetzt und ihr jegliches frevlerisches Treiben abgesprochen. Ihre Ankläger hingegen gerieten nun in Gormenghasts Obhut, und drei von ihnen warden nie wieder gesehen. Die anderen kamen frei als gebrochene Männer, und sie mussten der fälschlich angeklagten eine hohe Wiedergutmachung bezahlen. So warden ihnen ihre Lügen gelöhnt.
Inquisitor Gormenghast verbrannte einst einen Zwerge wegen Infernalismus'. Daraufhin kreuzte ein Seebrecher der Zwerge auf; dessen Kapitän verlangte in wütenden Worten Gormenghasts Auslieferung. Der Inquisitor kam diesem Wunsch selbst nach und liess sich zum Schiffe bringen. Kaum eine Stunde später kehrte er zurück, derweil der Seebrecher wieder abzog.
Melweth ward einst geplagt von eines mächtigen Mentalisten Machenschaften. Inquisitor Gormenghast fasste ihn und liess sich alleine, ohne Begleitung oder Werkzeug, mit jenem in eine Kammer einschliessen. Nun war der Mentalist von grosser Zauberkraft und starkem Geiste, gewohnt, seinen eisernen Willen jedermann aufzuzwingen. Doch nach drei Stunden alleine mit Gormenghast begann der Mentalist zu schreien, und er hörte damit nicht auf die ganze Nacht hindurch; seine Schreie warden immer entsetzlicher, bis alle Hunde mit jaulten und selbst der Stärkste von schaurigstem Beklemmen ergriffen ward. Am Morgen schleppten sie den Schwarzfrevler ins Freie, zitternd wie Espenlaub im Sturm, weiss wie frischer Schnee, das zuvor dunkle Haar über Nacht ergraut – doch körperlich gänzlich unversehrt! Gormenghast hingegen zeigte keinerlei Anzeichen von Ermüdung oder Schwäche. Immer wieder begann der Mentalist in den folgenden Tagen grundlos wieder zu schreien wie unter Höllenqualen, bis er schliesslich dem Scheiterhaufen zugeführt ward. Diesmal gab er keinen Laut von sich; selbst als die Flammen bereits an ihm hoch leckten, als erst seine Kleider und sein Haar, dann schon seine Glieder brannten, selbst da noch blieb der Mentalist stumm. Dann aber machte der Inquisitor Gormenghast einen einzigen Schritt auf den Verdammten zu, und sofort begann dieser wieder mit seinem grässlichen Schreien.
Diese letzte Geschichte trug sich übrigens zu noch während des Krieges, bevor Melweth unter des Imperiums Herrschaft fiel. Gormenghast ward um Hilfe gebeten von König Vulca, und er folgte dieser Bitte ohne zu zögern. Seine Worte dazu waren: „Meine Feinde sind die Schwarzfrevler, nicht die Menschen des Grenzgürtels.“
Tycho Gormenghast kann Lügen riechen und Wahrheit schmecken. Ihm entgeht nichts, und er vergisst nichts. Er schläft keine Nacht mehr als drei Stunden, und er verwendet jeden wachen Moment auf seine Jagd.
Dies und mehr erzählt man sich von Inquisitor Gormenghast. Im Grenzgürtel ist sein Ruf schrecklich und erhaben zugleich; er ist Legende. Den Menschen dahinter habe ich nie zu Gesicht bekommen, sein Wirken nie selbst miterlebt: Ich kann kein Urteil fällen über der Geschichten Wahrheit.“
Es mag sein, dass Gormenghast nach gewissen Ereignissen in Durrendaal ein Interesse an einer gewissen Ladung der //Hunt of Bliss// haben könnte.
Tatsächlich stellte sich in Melweth heraus, dass Gormenghast die Mannschaft der Hunt of Bliss dank ihren Verdiensten im Kampf gegen Wiedergänger in seine Dienste nehmen wollte. Diesem Ansinnen kam Bjomolf Arc gerne nach.
