Kapitän Orlecc Bitterhand
Wir wissen nicht, was Orlecc, Sohn des föderierten Admirals Garwayn, dazu brachte, zum Imperium überzulaufen. Wir kennen aber seinen Werdegang danach: Er erhielt das Kommando über die Fregatte Graue Maid und stieg schnell zum meistgehassten Kapitän der imperialen Flotte auf - eine bemerkenswerte Leistung.
Um die Herkunft seines Beinamens ranken sich zahllose Gerüchte; am wahrscheinlichsten aber erhielt er ihn von seinen Matrosen wegen seiner unbarmherzigen Schinderei. Die gemeinen Seeleute auf der Grauen Maid, die meisten in den Dienst gepresst, hassen und fürchten Orlecc gleichermassen, derweil die Offiziere im treu ergeben sind. Orlecc ist ein skrupelloser Kommandant, der auf das Leben seiner Männer oder Unbeteiligter so wenig Rücksicht nimmt wie auf jenes seiner Feinde. Im Kampf gerät er in wilden Blutrausch, und er soll das mörderische Chaos eines Enterkampfes über alles lieben. Seine Ziele verfolgt er mit unbarmherziger Entschlossenheit und einer berechnenden Gerissenheit, die von keinerlei Skrupeln gehemmt wird.
Die Graue Maid kämpfte in allen bedeutenden Seeschlachten des Krieges und zeichnete sich dabei wiederholt aus. Bekannter aber sind die Fregatte und ihr Kapitän für die Spezialmissionen, für welche die Flottenführung gerne auf Bitterhand zurückgreift: Immer, wenn ein effizienter, skrupelloser und unabhängiger Kommandat für eine heikle Aufgabe gesucht war, fiel in den letzten zwei Jahren die Wahl auf Bitterhand. Ein bekanntes Beispiel war das Massaker der Blutigen Bucht, wo Bitterhand Admiral Colvecus gefangen nehmen sollte. Neben dem Admiral fanden mehr als 200 Menschen, darunter Frauen und Kinder, den Tod durch Bitterhands blutgierige Unnachgiebigkeit.
Bitterhand gelang es bisher auch als einzigem Menschen, ein Schiff der Blutelfen aufzubringen. Dies geschah wiederum auf Befehl des Flottenkommandos, um die entführte Bevölkerung des Dorfes Groil zu retten. Wie oft zuvor nutzten die Blutelfen die Gefangenen als lebenden Schutzschild, doch zum ersten Mal sahen sie sich einem Feind gegenüber, der sich davon nicht aufhalten liess. Wenn am Ende auch nur ein knapper Viertel der Entführten überlebte, so ward Bitterhand für diesen zweifelhaften Sieg von der Flotte gefeiert.
Auch ist Bitterhand berüchtigt dafür, besonders oft und besonders regelwidrig vom Pressen Gebrauch zu machen.
Aus den Aufzeichnungen Olcurs des Reisenden:
„Orlucc, genannt Bitterhand, mag uns als Beweis dienen, dass im Grenzgürtel wahrhaftig Monstren hausen, und es muss einen jeden rechtschaffenen Valerier beschämen, diese Kreatur im Dienste des Imperiums zu wissen.
Bitterhand hat sich bei den Grünlingen den Namen Rosa-Ork verdient, und diese einmalige Auszeichnung mag uns alles sagen, was wir über seinen Charakter wissen müssen.
Selbst sein Äusseres ist von monströser Widerwärtigkeit: Von enormer Grösse und Breite ist Bitterhand, dabei verwachsen und gebeugt. Sein unförmiges Gesicht ist stets von purpurner Farbe, als wäre er andauernd trunken oder zornig, sein dunkler Bart ist borstig wie ein Eberfell, und seine Augen treten weit aus dem Schädel hervor, als wollten sie ihm und seinem abstossenden Inhalt entfliehen. Seine Bewegungen sind kraftvoll, aber plumb und fahrig, und sein Fechten soll jeglicher Finesse entbehren und einzig aus wüstestem Hauen bestehen.“
