Moatsch, ein Spross der Knüppelbrüder
Moatsch, so nennen wir unseren eher jungen Zwergenmann. Natürlich kann man ihm sein Alter nicht ansehen. Viel Kontakt zu Seinesgleichen hat er nicht, vielleicht noch nicht. Das hängt mit seiner Zugerhörigkeit zum Clan der Knüppelbrüder zusammen. Wie man ja weiss, sind die Mitglieder dieser Zwergenfamilie für zwergische Verhältnisse geradzu aufgeklärt und aufgeschlossen. Wenn man auf Zwerge weit abseits ihrer bergigen Stammesgebiete im Norden trifft, dann handelt es sich meist um Knüppelbrüdermänner. Statt miteinander in Streit zu geraten, verschwinden Knüppelbrüder wenn sie zu Männern geworden sind und Anspruch auf allerlei Wichtiges wie Haus, Frau, Bier, Macht und Reichtum erheben. Wie die Tradition es will ziehen sie es vor, für eine Weile von vielleicht 150-300 Jahren auf Wanderschaft zu gehen. Danach kehren sie zurück und oft sind dann die ehemaligen Widersacher schon umgekommen oder alt geworden. Aus dieser sonderbaren, und von allen anderen Zwergenfamilien abweichenden Tradition ergeben sich einige Eigentümlichkeiten der Knüppelbrüder:
Ranz
Für Knüppelbrüder ist es immer unheimlich schwierig den richtigen Zeitpunkt für die Rückkehr, die “Ranz” festzulegen. Ist man zu früh, hat die Reise wenig gebracht. Die Alten sind noch immer da und Respekt holt man sich nicht mit zu frühen Ranz. Ist man zu spät, hat man vielleicht den richtigen Moment verpasst. Nichts ist schlimmer als wenn man als Letzter einer Generation einranzt. Ein Knüppelbruder muss deshalb stets so gut es geht über die Situation zu Hause informiert sein. Am Einfachsten ist es wenn er sich mit einem anderen reisenden Zwerg austauschen kann. Er wird keine Gelegenheit für ein solches Treffen verpassen. Es ist nicht anzunehmen, dass er irgendeine Reise oder ein Auftrag nicht hierfür unterbrechen würde. Eigentlich geht es um das Austauschen von Neuigkeiten, mangels eines Verhaltenskodex für reisende Knüppelbrüder kam es aber auch schon zu schweren Auseinandersetzungen. Seltsamerweise nennt man diese Treffen “Meetersknapp” was übersetzt in etwa bedeutet: “sich die Mutterbrust teilen”. Dass auch Zwergenfrauen der Knüppelbrüderfamilien reisen, wird immer wieder behauptet, es handelt sich jedoch nur um ein Gerücht.
Vor der Ranz
Zwar verreist ein Knüppelbruder erst, wenn er sich ein Haus gebaut, respektive einen komfortablen Stollen ausgebrochen hat. Meist beginnen hier die Probleme und es kommt zu Streit mit den Nachbarn, sei es wegen einem ungwollten Durchbruch, falsche Technik oder selten aber dann immer gewalttätig: Lärmklagen.
Das von anderen Zwergen oft bemühte Vorurteil, Knüppelbrüder verstünden sich besser aufs Sternedeuten, denn aufs Steineschlecken (so navigieren Zwerge im Berg) trifft doch grossmehrheitlich zu. Oft holen sie dies nach der Rückkehr nach und es sind eindrückliche und wunderbare Hallen, Kathedralen und Eisendinge von Knüppelbrüdern geschaffen worden. Dem jungen Knüppelbruder, den man auf der Reise antrifft, fehlt der Schliff am Berg noch. Dafür verstehen sich Knüppelbrüder rascher und einfacher auf andere Künste als der übliche Zwerg.
Dampfel
Die Kindheit verbringen sie, wie die meisten Zwerge, am Stolleneingang. Hier stehen die grossen Maschinen. Ist es nötig zu erwähnen, dass die Maschinen der Knüppelbrüderfamilien von den vielen Reisen der Erbauer oft sehr, hm sagen wir “originell” sind ? Jedes Knüppelbruderkind hat während Jahrzehnten die Maschinen bedient, oft müssen die Kinder in die Maschine hineinklettern um sie zu reinigen. Das ist nicht eine Frage der Körpergrösse, sie sind ja in etwa gleichgross wie ihre Väter, nein die Väter haben schlicht keine Lust dazu. Die klugen Knüppelbrüderkinder bauen schon bald ihre eigene “Dampfel”, wie die kleinen Maschinen generell genannt werden. Einige bleiben dran und entwickeln mit der Zeit richtige, brauchbare “Starkdampfen”. Sie folgen dabei der Tradition aller Zwergenmaschinen, drücken meist aber, mehr oder weniger originell, der “Dampfe” (Maschinen allgemein) ihren eigenen Stempel auf, aber dazu später mehr.
Goldbrocken
Die häufigen Reisen der Mitglieder der Knüppelbrüder führen noch zu einer weiteren Besonderheit: Nicht alle überleben die Reise, einige haben Erfolg, manche nicht. Während all den Jahrhunderten ergab sich manches Glückslos. Man wurde reich, man verlor den Reichtum wieder. Kein Knüppelbruder kehrt heim weil er reich geworden ist. Es mag vielleicht ein Punkt im ständigen Grübeln um den richtigen Moment der Ranz sein, ausschlaggeben ist Reichtum aber nicht. Da es sich mit Reichtum oft nicht sehr gut reist, gibt es in der ganzen bekannten (und unbekannten) Welt versteckte Knüppelbrüderschätze, meist “Goldbrocken” genannt. Manche können ihr Versteck nicht mehr aufsuchen, weil just der rechte Moment für die Ranz gekommen schien. Diese erzählen oft den jungen Aufbrechern von ihren Goldbrocken und weisen diese an, etwas davon mit nach Hause zu bringen. Denn viele der Rückkehrer bereuen, nicht alle Goldbrocken nach Hause geschafft zu haben. Es lebt sich sesshaft reich halt besser. Nicht nur die Verwandten sind auf die Goldbrocken aus, manch ein Abenteuerer suchte, und manch einer wurde fündig.
Immer wieder gibt es aber auch Expeditionen verbündeter, zurückgekehrter Knüppelbrüdern. In kurzen Fahrten von vielleicht 10-20 Jahren versuchen sie die ihnen zustehenden Goldbrocken heimzuholen. Eine solche Fahrt, auch “Kamps” genannt, ist immer reich an Schätzen. Man sollte sich hüten auch nur daran zu denken eine Kamps zu überfallen. Es wird nicht gelingen, zu stark bemannt, zu stark verteidigt mit allem was die Kriegskunst der Zwerge zu bieten hat. Oft nutzen diese Kamps ihre Stärke aus und ergänzen den heimzuholenden Reichtum mit konzentrierten Überfällen auf Siedlungen aller Art. Das macht die Kampszüge zu gefürchteten Ereignissen, sie sind zwar selten aber verheerend. Das Imperium fürchtet stets den nächsten Kamps. Hieraus erklärt sich, dass Knüppelbrüder oft in der Fremde nicht sehr gerne gesehen sind. Leider wird immer wieder der Fehler begangen, nicht genügend zwischen einem Kampszug und einem einzelnen reisenden Knüppelbruder zu unterscheiden. Wichtig ist auch zu wissen, dass jeder Knüppelbruder zäh genug ist, nichts über ihm bekannte Goldbrocken zu verraten. Bisher ist dies jedenfalls nicht noch nie geschehen.
Stampfbalk
Und nun zurück zu Moatsch, unserem relativ jungen, reisenden Knüppelbruderzwergenmann. Sein Aussehen besprechen wir später. Sein ganzer Stolz ist der von ihm gebaute (oder benutzte) Stampfbalk. Ein Stampfbalk würde man heute whs. in etwa mit “Zylinderblock” übersetzen. Es handelt sich dabei um das Herzstück jeder Dampfel oder Starkdampfe. Ein Stampfbalk ist in der Lage aus Hitze oder Energie generell, meist Dampf, mechanische Energie zu erzeugen. Es genügt z.B. den Stampfbalk an eine Dampfleitung anzuschliessen und er wird, sofern gut gewartet, ein Rad oder eine Schubstange antreiben. Die zugehörigen Aggregate sind das Tagwerk des Mechanikers und werden projektbezogen aufgebaut. Der Stampfbalk bleibt über Jahrhunderte erhalten und gehört dem Zwergenmechaniker. Manchmal ist er ein Erbstück, manchmal eine Weiterentwicklung der eigenen Dampfel. Zum Betrieb eines Stampfbalks braucht es einen Dampfkessel, bestehend aus einer Feuerstelle, Brennstoff, einem Wasserlauf und einem Druckörper. Am anderen Ende braucht es Kühlung, d.h. ein Kamin, Rohrgeflecht im Sinne eines Radiators oder einer Kühlschlange. Ein Stampfbalk braucht immer Schmiermittel, wobei bei entsprechender Qualität viel an Effizienz und Stärke der ganzen Dampfe gewonnen werden kann. Es gibt auch verschiedene Varianten der “Befeuerung” und schon viel Abenteuerliches wurde ausprobiert. Schlussendlich geht es stets darum eine Energiequelle in der richtigen Form dem Stampfbalk anzubieten. Auch sollte man einen Stampfbalk nicht einfach als Schwungerzeuger verstehen, vielmehr kann er an verschiedenen Orten “angezapft” werden. So kann man z.B., wenn man es geschickt anstellt, über den Stampfbalk die Hitze der Befeuerung an einem kleinen Punkt konzentrieren. Alchemisten hätten auch schon allerlei sonderliches Gebräu mit Hilfe des Stampfbalks in gefährliche Nebel verwandelt, andere hätte Steine dazu bringen können andere Steine anzuziehen oder es seien sogar schon Blitze mit Hilfe eines ordentlichen Stampfbalks geschleudert worden.
Der Stampfbalk welcher Moatsch zur Zeit sein eigen nennt, ist eine vorzügliche Ausgabe. Mit den richtigen Aggregaten ergibt sich eine kleine Starkdampfe. Für die Kraft welche in ihn eingeleitet werden kann, ist das Teil erstaunlich leicht, es kann von einem Ogger problemlos geschultert werden. Zwei Zwerge genügen auch. Vom Gewicht her reicht auch Moatschs Kraft alleine aus. Aber der Stampfbalk ist wie der Name schon sagt, ziemlich lang für einen Zwerg.
Zur Herstellung der Aggregate braucht es Geschick, Zeit, gutes altes Eichenholz, Sand, Erz oder schon fertige schöne Rohre. Die ersten beiden Dinge besitzt Moatsch zu genüge, den Rest sollte man ihm zutragen. Zur Not kann der Stampfbalk auch für kleine Arbeiten oder einzelne Zischs mit einem grossen Feuer im Freien in Betrieb genommen werden. Es wurde auch schon ein Pulver verwendet, welches man sehr vorsichtig in den Vorlauf des Stampfbalks einstreuen kann. Findet ein Zwergenmechaniker edles Metall oder schöne Steine, so wird er stets versuchen seinen eigenen Stampfbalk oder die zugehörigen Aggregate zu verbessern.
Zisch, Puff und die schöne Braask
Moatsch ist nur mit den Elementarfunktionen des Stampfbalks vertraut. Doch eine Spezialität beherrscht ganz gut: Dank starken Händen, gutem Auge und Fleiss gelingt es ihm wie keinem Anderen, kleine mit Metall verstärkte Fässchen so gut zu fügen, dass es (meist) keinem bekannten Stoff gelingt daraus zu entweichen. Mit relativ wenig Arbeit kann er den Stampfbalk so umstellen, dass nur die Hälfte davon mit heissem Dampf gefüllt wird, die andere Hälfte (Zylinder) drücken dann Luft zusammen, bis es zischt. Diesen “Zisch” kann Moatsch dann in die kleinen, wertvollen, Fässchen umleiten. Daraus entstehen kleine Fässchen mit lautem Zisch, diese können vielfältig eingesetzt werden. Braucht man z.B. irgendwo grosse Kraft, so kann sie mit den Fässchen hergeschafft werden. Die Kraft von entweichendem Zisch über starke Eisenstangen gelenkt, bricht fast jeden Felsen oder jede Türe. Nicht einmal die Kraft eines Oggers kann da mithalten. Der Zisch kann aber auch in kleinen Puffs entlassen werden. Die Puffs entstehen in einem dünnen Rohr in das vorher eine Metallkugel oder ein Steinchen eingelegt wurde. Der ganze Zisch wird dabei auf dem Rücken getragen. Die Kugel fliegt dann doch beachtlich weit. Puffs aus nächster Nähe auf einen Gegner losgelassen, bringen diesen auch ohne Kugel arg in Nöten. Leider verlieren sich manchmal Zischs in den Rändern der Fässchen, plötzlich ist die Kraft erloschen. Wenn ein Fässchen zerschmettert oder gebrochen wird, so entlädt sich der Zisch auf einen Schlag, was sehr gefährlich sein kann.
In solchen Momenten ist Moatsch froh einen schweren Helm und die schöne Braask bei sich zu haben. Die schöne Braask ist eine mittelschwere doppelseitige Axt aus feinstem Zwergenstahl. Ihr Hieb ist eher schnell denn stark, oft kann Moatsch dafür zweimal durchziehen.
Moatsch kann sich rühmen die Zischs und Puffs gut zu beherrschen, schon oft haben sie ihm in schwierigen Situationen geholfen oder auch nur das Leben angenehmer gestaltet: Ein langsamer Puff in ein Bierfass geleitet, ergibt aus unbekannten Gründen ein kaltes und frischeres Getränk.
In den letzten Jahren war Moatschs prächtiger Stampfbalk in einer Schmiede, mitten in der Stadt in Betrieb. Der Stampfbalk hatte derart grosse Aggregate um sich, dass er tagtäglich den grossen Hammer antrieb, welcher schwere Eisenplatten ineinander trieb. An Geld mangelt es dem Zwergenmann nicht, er hätte schon genügend für einen kleineren Goldbrocken beisammen. Doch der Schmied ist alt geworden und Moatsch das bequeme Leben in der Stadt langsam leid. Gerade eben hat sich eine imperiale Schaar in der Stadt niedergelassen. Sie haben drei grosse, mit Stampfbalken angetriebene Wagen dabei. Es heisst, diese von Menschen befeuerten Stampfbalken seien ruppig und langsam, es heisst das Imperium suche Mechanikersklaven und bessere Stampfbalken.
Moatsch findet Wagen gut, Schiffe besser..
