Prinz Gavrian Armatus
Aus den Aufzeichnungen Olcurs des Reisenden:
„Der Krieg der Föderierten wider das Imperium brachte viele Helden hervor, doch wenige nur werden auch heute noch derart verehrt im Grenzgürtel wie Gavrian, dritter Sohn von König Vulca II. von Melweth aus dem Hause Armatus. Seine Position in der Thronfolge liess ihm mehr Freiheit als seinen Brüdern, und so wuchs ein eigensinniges Kind heran zu einem unabhängigen und tollkühnen Mann. Kaum hatte er zwanzig Sommer gesehen, da der Krieg ausbrach, und ohne zu zögern schloss er sich den föderierten Kräften an mit einem eigenen Schiff, der Dame Courage.
In den ersten Schlachten des Krieges bereits zeichnete sich Prinz Gavrian aus durch Unerschrockenheit, doch seine ruhmreichsten Taten lagen noch vor ihm; Kämpfen in geordneten Schlachtreihen war seinem Ungestüm zuwider. Als die föderierte Flotte aber nach dem Pulvertod dem Imperium die Seehoheit überlassen musste und sich darauf verlegte, gezielt die imperialen Nachschublinien an empfindlichster Stelle zu attackieren, da fand Gavrian einen Krieg ganz nach seinem Geschmack: Die neue Strategie verlangte kühne und unabhängige Kapitäne, fähig und willens, sich ihre Ziele selbst zu wählen und sie mit Mut und Einfallsreichtum zu verfolgen.
Als das Imperium die Meere des Grenzgürtels bereits fest zu beherrschen meinte, da zeigte Prinz Gavrian die kurzsichtige Arroganz dieser Ansicht auf: Frech fuhr er mit drei Schiffen in die Goldene Bucht ein und zerstörte fünf Schiffe im Hafen von Elfentor, bevor auch nur eines von ihnen bereit zum Gefecht war.
Vor Jankipar stellte die Dame Courage die erheblich grössere Wind von Dercenda unter dem gefürchteten Kapitän Procus Etillia. Prinz Gavrian führte seinen Mannschaft in einem verwegenen Angriff auf das Deck der Wind, und während sie sich bereits brennend am Sinken befand, stellte er Etillia zum Zweikampf, als dieser feige von seinem Schiff zu fliehen suchte. Gavrian durchbohrte seinen Feind mit blanker Klinge und liess ihn verblutend in einem Beiboot zurück, auf dass er vor seinem Tode noch die Schande eines verlorenen Schiffes erdaure. So rächte der Prinz den schmählichen Tod seines Onkels durch Etillias Hand.
Seinen grössten Ruhm aber erlangte Prinz Gavrian Armatus wohl, als er auf Durrendaal den Sold der IV. Legion raubte und diesen unter den Gemeinen Melweths verteilte.
Neun Schiffe nahm Prinz Gavrian als Prise, verlor aber selbst dreimal das seine; stets benannte er sein neues Schiff nach seinem ersten. Derweil das einfache Volk ihn liebte, sank er gegen Ende des Krieges in der Gunst der Flottenführung, die in seinen immer dreisteren Aktionen zunehmend Unbesonnenheit erkannten. Und tatsächlich erlitt Prinz Gavrian im letzten Jahr des Krieges seine erste grosse Niederlage: Nach dem Fall Melweths versuchte er, mit lediglich fünf Schiffen seine Heimat zu befreien. Nun war ihm ein ähnliches Unterfangen bereits einmal auf Yuremech gelungen, als sich die Bewohner der Insel ihm anschlossen, ihre Besatzer zu vertreiben. Melweth aber war nach dem WAAAGHH! Ghortak ausgeblutet und verwüstet, seine Soldaten tot oder verwundet, seine Leidensfähigkeit erschöpft. Auf sich alleine und zudem wider das Genie des Archon Carvallus gestellt warden Gavrians Mannen nach kurzem Kampfe besiegt und gefangengesetzt. Nur knapp konnte der Prinz selbst den Feinden entfliehen.
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Nach dieser bitteren Niederlage rügte Admiral Colvecus den Prinzen Gavrian öffentlich: Sein voreiliges Handeln habe nicht nur unnötige Verluste verursacht, sondern auch jede Hoffnung auf eine Befreiung Melweths zunichte gemacht. Daraufhin nannte Prinz Gavrian den Admiral „einen blutlosen Tintenkleckser, eine feige Muräne, ein tatteriges Wrack“ und derlei mehr. Prinz Gavrian verliess sein Kommando im Zorn; er ward seit jenem Tage nicht mehr gesehen, und er kämpfte nicht bei Eschaton. Viele aber, darunter jene, die ihn kannten, sind überzeugt, dass er noch immer irgendwo seinen Kampf wider das Imperium fortsetzt; sie mögen nicht glauben, dass wir schon die letzte Tat des Prinzen Gavrian Armatus erlebt haben.“
Die Besatzung der Hunt of Bliss traf Gavrian in Gelbwasser, wo er eine zerlumpte Bande von Rebellen anführte. Bis zu seinem Scheitern auf Melweth hatte Gavrian nie eine Niederlage hinnehmen müssen, und diese erste verkraftete er schlecht. Ein Jahr später war er verzweifelt und von Hass aufs Imperium getrieben genug, den Einflüsterungen Jorachs zu erliegen.
Kapitän Arc versuchte, seinen alten Kameraden wieder zur Vernunft zu bringen. Als ihm dies nicht gelang, tötete er Gavrian.
