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quernar

Quernar


“Jede Legion sollte fünfzig Quernarer enthalten, und sei es nur, damit die ersten neunundvierzig davon nicht desertieren.“
- General Hjordan Hjorgenskor

„Eynige Eygenthümlichkeyten findtet der achtsame Linguistiker in der Zunge von Quernar, diese da eyniges berichten vom Leben ihro Sprecher. So kennet das Quernarisch nur dero sechs Wort für die Beziehung undter Verwandten, diese ich übersetz wie Tochter und Nichte und Schwester und dann Sohn und Neffe und Bruder. Auch meynet das Wort 'ap' nicht nur Sohn im leyblich Sinne, aber auch 'von' als wie 'von welchem Stamme'.“
- Aus dem Linguistica Valeria der grossen Sprachgelehrten Prealca

Die Überraschung war gross, als im zweiten Jahr der Valerischen Allianz eine Gesandschaft aus Quernar vor den Senat trat und für ihr Volk um Aufnahme in die Allianz ersuchte. Bis dahin hatte man die quernarischen Stämme für hoffnungslos zerstritten untereinander und feindselig gegenüber allen Fremden gehalten. Doch Quernar litt wie kaum ein anderes Land unter der Heimsuchung durch die Nekrokraten des nahen Orokuls, und als die Stämme von einer Allianz wider diese verhassten Feinde erfuhren, konnten sie sich zum ersten Mal in ihrer Geschichte auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Diese beispiellose Einigung wird heute einem Wunder zugeschrieben, vollbracht von der klugen Epsispriesterin Juqurxa.

Die Allianz kannte zeit ihres Bestehens keine verlässlicheren Mitglieder als die Quernarer, wenn die Stämme in allen anderen Fragen auch so zerstritten blieben wie je. Nach dem Sieg über Orokul unterstützten einige Stämme Carvallus, während andere das Imperium bekämpften. Die Unterstützer Carvallus' setzten sich dank imperialer Hilfe durch, und heute ist Quernar eine Provinz des Valerischen Imperiums, wenn auch bekannt für seine anhaltenden Stammesfehden und regelmässigen lokalen Aufständen.

Quernar liegt im tiefen Südosten Valeriens, von Orokul nur durch die Knochenstrasse getrennt. Das Klima ist heiss und trocken, und der Grossteil Quernars besteht aus kargem Hügelland. Seine Bewohner sind eher klein und kräftig gebaut, mit schwarzen Haaren, brauner Haut und zumeist grünen Augen. Ihre Sprache ist kehlig und rau und stark verschieden von jeder anderen Valeriens. Während die Quernarer entlang der Küste von der Fischerei leben, sind jene des Inlandes Hirten, bekannt für ihre Zähigkeit und ihre bösartigen und stinkenden Ziegen, aus deren Milch sie einen bösartig stinkenden Käse herstellen. Sie gelten als ausdauernd und verlässlich, aber auch als aufbrausend und stur.

Eines Quernarers Stamm geht ihm über alles, und er wird stets die Gesellschaft seiner Verwandten suchen. Dabei macht er keinen Unterschied zwischen Brüdern und entfernten Vettern, der ganze Stamm steht ihm so nah wie anderen die engste Familie. Auf ihre Stammesschwestern und -brüder können sich die Quernarer jederzeit blind verlassen. Wird ein Quernarer andererseits von seinem Stamm getrennt, so macht ihm dies schwer zu schaffen, er wird mürrisch, lustlos und trübsinnig, und oft wird er so schnell wie möglich in seine Heimat zurückreisen. Jeder Stamm hat seine eigenen Sitten, Gebräuche und auch Gesetze. Da es allgemein als schlimmste Sünde betrachtet wird, ein Mitglied des eigenen Stammes zu töten, ist die höchste Strafe in jedem Stammesgesetz die Verbannung, meist auf Zeit, manchmal aber auch unbefristet. Dies ist für jeden Quernarer ein schreckliches Schicksal, oft schlimmer als der Tod.

Die Stämme Quernars sind untereinander verbunden durch ein kompliziertes, sich oft änderndes Netz von Bündnissen, Heiraten und vor allem Fehden. Manche Stämme liegen seit Generationen im Streit miteinander, und kleine Scharmützel sind in den Hügeln Quernars an der Tagesordnung. Diese sind selten tödlich, aber stets werden sie verbissen geführt, und jede Demütigung wird lange erinnert und wenn möglich gerächt. Fremden stehen die Quernarer zuerst stets misstrauisch, wenn nicht gar feindselig gegenüber, doch wer ihr Vertrauen gewinnt und als Gast aufgenommen wird, der wird als Stammesmitglied behandelt und kann jede Hilfe und Herzlichkeit von seinen Gastgebern erwarten.

Generell gelten die Quernarer als bodenständig und wenig fantasievoll, mit einer Ausnahme: ihre Sagen und Geschichten. Diese sind oft sehr ausgefallen, ja bizarr, und nicht selten absurd. Bekannt etwa ist eine Version der Geschichte, wie Morenu zu Aurûun kam. Manche Gelehrte behaupten, diesen Geschichten liege eine komplexe Symbolik zugrunde, und sie enthielten stets einen tieferen schwer zugänglichen Sinn. Wenn dem tatsächlich so ist, dann ist dieser Sinn tatsächlich so gut versteckt, dass ihn nicht einmal die Quernarer wiedergeben können. Trotzdem erfreuen sich diese Geschichte in Quernar grosser Beliebtheit, und je ausgefallener, ja lächerlicher sie sind, desto begeisterter werden sie aufgenommen.

Etwas abseits der Stammesstruktur stehen die hamari, die Praktizierer von uluqur rach hama, der Rauchkunst. Lange waren diese Schamanen in Quernar die einzigen, die Ereignisse in einer grösseren Perspektive als jener eines einzelnen Stammes sehen konnten. Deshalb suchen immer wieder Quernarer den Rat der hamari, und sie dienten einst auch als Vermittler zwischen den Stämmen, nutzten dies aber meist für ihre eigenen Zwecke und das Verbreiten von Chaos aus. Seit Quernar zum Imperium gehört, werden die hamari als Gesetzlose verfolgt und sind aus manchen Gegenden verschwunden, doch hat sich an ihrer Stellung im unwegsamen Hinterland der Provinz wenig geändert.

Seit jeher dienen viele Quernarer im imperialen Heer. Meist schliessen sie sich gleich in grossen Verbänden, bestehend aus Mitgliedern eines Stammes, einer Legion an; die Kommandanten wissen, dass man solche Verbände nicht trennen darf. Es heisst unter den den Legionären, solange sie an der Seite eines Stammesbruders kämpften, könnten die Quernarer jede Mühsal ertragen und jeder Gefahr ins Auge blicken, doch ein einzelner Quernarer sei zu nichts mehr nütze und werde bald desertieren. Auch auf den Schiffen der imperialen Flotten findet man viele Quernarer; oftmals wurden sie gepresst und ihrem Stamm entrissen und neigen daher zu äusserst schlechter Laune, Trunksucht und Undiszpliniertheit.

Als Quernar vom Imperium unterworfen wurde, flohen viele quernarische Gegner des Imperiums in den Grenzgürtel, vor allem nach Yumenech. Ganze Stämme fanden eine neue Heimat auf dieser grossen Insel. Wenn sie sich auch mit den Jahren ihrer neuen Heimat anpassten, so blieb ihnen die allumfassende Bedeutung des Stammes erhalten - ebenso wie die Fehden, welche sie aus der alten Heimat mitbrachten und mit typischer Verbissenheit bis heute pflegten. Als der Krieg gegen das Imperium ausbrach, zogen diese Stämme mit Begeisterung in den Krieg wider den alten Feind, führten aber zugleich ihre Fehden weiter. Dies mündete in der berüchtigten Schlacht von Grenelt, während der sich zwei föderierte Stammesregimenter gegenseitig angriffen, die imperialen Feinde ignorierend. Eine zwar unbedeutende, aber unnötige Niederlage der Föderierten war die Folge, und seither .gelten die Stämme Yumenechs als unzuverlässige Streithähne im Grenzgürtel.

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