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Die Skaar

„Ihr Südländer, ihr nennt uns kalt und herzlos, doch unsere Herzen müssen brennen, oder wir würden im Winter zugrunde gehen. Ihr nennt uns wild und grausam, und das sind wir wohl, denn feine Kultur und Erbarmen überdauern den Winter nicht. Für euch ist der Winter eine Unannehmlichkeit; für uns ist er der ewige Feind, ein unbarmherziger Lehrmeister, der jede Schwäche auslöscht.“
- Die Sommerkönigin Faralde

„Der Winter mästet sich an seinen Opfer, und wer ihm trotzt, der schwächt ihn. Überleben ist im Kampf gegen den Winter der grösste Sieg. Als wir neu waren auf Gatruush, da herrschte der Kälteste König hier mit all seiner furchtbaren Macht. Es war so kalt, dass selbst die Berge zitterten und das Feuer gefror. Aber seither haben wir dem Winter jedes Jahre ins Gesicht gespuckt und eine blutige Nase verpasst, und jetzt ist er schwächer und nur noch bitterkalt und grausam hart. Wenn wir so weitermachen und Wutor uns beisteht, wird der Winter in ein paar Generationen ganz erträglich sein.“
- Ein alter gatruusher Skaar


Die nördlichste Provinz Valeriens ist Skaarmar, beherrscht von mächtigen Bergen und grausamen Wintern. Es ist ein hartes Land, in dem nur die Stärksten überleben können; es ist die Heimat der Skaar. Die stolzen und kriegerischen Stämme trotzen seit Jahrhunderten dem jährlichen eisigen Wüten des Kältesten Königs Belzhax. Die Skaar sind wilde Krieger, aber auch begnadete Artisanen, meisterliche Schmiede und leidenschaftliche Geschichtenerzähler.

Ein typischer Skaar ist um einen Kopf grösser als ein durchschnittlicher Tirensi oder Atyerser, breitschultrig und kräftig gebaut. Die Frauen der Skaar sind nur wenig kleiner als die Männer. Ihre Haut ist hell, ihre Augen sind grün oder blau, ihre Haare blond, rot oder schwarz. Beide Geschlechter tragen ihre Haare lang und mit kleinen Zöpfchen durchsetzt; zu einem einzelnen Zopf geflochtenes Haar bedeutet bei Frauen Bräutigam-, bei Männern Brautsuche. Die Kleider der Skaar sind zu einem grossen Teil aus warmen Pelzen und dicker Wolle gefertigt; im Sommer tragen sie gerne bunte Stoffe und zeigen viel Haut.

Die Bewohner der Valerischen See halten die Skaar für barbarisch und grausam. Dies liegt einerseits an ihrer selbstverständlichen Bereitschaft zu Raubzügen, aber auch an ihrer Verachtung für Schwäche und einigen alten Bräuchen wie dem Aussetzen von Neugeborenen bei Wintereinbruch oder dem Töten aller Gefangener, die nicht innert drei Tagen freigelassen werden. So unbarmherzig sie auch erscheinen mögen, so werden diese Taten doch nicht aus bereitwilliger Blutlust begangen, sondern aus Notwendigkeit: Im skaarmarer Winter geht zugrunde, wer sich unnötige Bürden aufbindet. In den ansonsten lebenslustigen und leidenschaftlichen Charakter der Skaar mischt sich denn auch oft eine gewisse Melancholie, und viele Stammesführer tragen die Spuren harter Entscheidungen mit düsterem Grimm.

Alle Aspekte des Lebens in Skaarmar werden von den harten Wintern geprägt. Die meisten Stämme bewohnen ein einzelnes Gebirgstal, das im Winter oft von der Aussenwelt abgeschnitten ist. Entsprechend sind sie auf Selbstständigkeit und Unabhängigkeit bedacht. Von der Tagundnachtgleiche im Herbst bis zu jener im Frühling herrschen die Winterfürsten, die Stammeshäuptlinge, wie Könige über ihre Leute. Ein Winterfürst ist in erster Linie ein Krieger und Kommandant, denn in der kalten Jahreshälfte kommen oft nicht nur Eis und Kälte von Norden, sondern auch Reiflinge und andere gefährliche Kreaturen aus Belzhax' Gefolge. Ausserdem ziehen Stämme, deren Ressourcen nicht für den ganzen Winter reichen, traditionellerweise auf Raubzug gegen ihre Nachbarn. Die kalte Dunkelheit des nordischen Winters wird daher oft durchschnitten von Schreien und Waffenklirren.

Im Sommer hingegen gilt in ganz Skaarmar das Gesetz der Sommerkönigin, und in vielen Stämmen treten die Winterfürsten ihre Stellung ab an eine Frau. Der Sommer ist die Zeit des Handels, des Ackerbaus und der Vorbereitung auf den nächsten Winter In dieser Zeit müssen die Feindschaften aus dem Winter ausgesetzt werden; nicht selten einigen sich Stämme, die noch wenige Monate zuvor gegeneinander Krieg führten, sich nun auf eine friedliche Beilegung des Streites. Alte Lieder berichten von den alten Tagen, in denen die Winterkämpfe als blutige Fehden im Sommer fortgeführt wurden, letztlich stets zum Schaden aller Beteiligter. Natürlich gibt es gelegentlich auch im Sommer Stammeskriege, doch insgesamt zeigen sich die pragmatischen Skaar selten nachtragend.

Noch über dem Gesetz der Sommerkönigin und dem Wort der Winterfürsten steht das Skaarelog, eine Sammlung heiliger Gesetze, überliefert über Jahrhunderte, gültig das ganze Jahr hindurch. Für Südländer muten manche dieser Gesetze seltsam an: Während das Skaarelog nichts gegen Raub oder Totschlag einwendet, verbietet es die Verbrennung von Getreide und das Nässen von Feuerholz ebenso wie das Verstümmeln Gefangener. Ebenfalls untersagt es das Schwängern einer Frau wider ihren Willen. Das Skaarelog richtet sich gegen Taten, die niemandem nützen, aber die Überlebensfähigkeit eines Stammes im Winter schwächen. Entsprechend kennt das Skaarelog auch nur eine Strafe, den Tod, denn Gefangene oder Verkrüppelte sind im Winter eine zusätzliche Last. Sommerkönigin und Winterfürsten sind gleichermassen angehalten, das Skaarelog durchzusetzen, und oft organisieren einige Winterfürsten nach der Schneeschmelze eine vetrgjald, einen bewaffneten Strafzug gegen einen Stamm, dem ein Brecher des Skaarelogs angehört.

Die meisten Siedlungen der Skaar bestehen aus einem halben bis fünf Dutzend flachen Langhäusern, unter deren Dach die Menschen samt ihrem Vieh leben. Beinahe jede Siedlung wird durch eine Palisade geschützt, und sie sind meist an einem Südhang erbaut. Es gibt einige grössere Siedlungen mit mächtigen Trutzburgen, doch ein Bewohner Valeors oder Triestons wird höchstens Skaarhjoldt, dem Sitz der Sommerköniging, als Stadt bezeichnen, und dies auch nur widerwillig. Skaarhjoldt ist das unbestrittene kulturelle und politische Zentrum der Skaar, und sie reisen aus dem ganzen Land an für den jährlichen Mittsommermarkt.

Im Winter, wenn die Skaar viel Zeit in ihren Stuben verbringen, ist es üblich, allerlei Handwerk nachzugehen, vor allem auch vetrverk, dem Winterwerk. Dabei handelt es sich um ein kunstvoll verziertes Gebrauchsobjekt oder, häufiger noch, ein Schmuckstück, an dem ein Skaar den ganzen Winter arbeitet: ein geschnitzter beinerner Messergriff, ein bestickter Gürtel, ein silberner Armreif. Die Verzierungen bestehen meist aus komplexen Mustern und ineinander verwobenen Bänden, seltener auch aus bildlichen Darstellungen. Ein prächtiges Winterwerk ist eine Quelle grossen Stolzes, während ein misslungenes am Mitsommermarkt unvermeidlich mit bissigem Spott übergossen wird. Jedes Jahr werden mehrere Zweikämpfe wegen Beleidigungen des Winterwerks ausgetragen. Niemals wird ein Winterwerk verkauft, meistens bleibt es für immer im Besitz des Schöpfers; es ist ein Zeichen grosser Zuneigung, ein Winterwerk zu verschenken. Die östlichen Stämme verlegen sich für ihr Winterwerk gerne auf Tätowierungen aus blauen und grünen Mustern.

Die Skaar, Frauen wie Männer, lieben Schmuck, vor allem Reifen für Oberarme, Hand- und Fussgelenke, und am meisten lieben sie Silber. Ein Krieger, der kein Silber trägt, gilt nicht als würdiger Gegner und daher auch nicht als vertrauenswürdig. Gold hingegen schätzen die Skaar gering, und kein Händler oder Zahlmeister sollte sich je darauf verlassen, dass ein Skaar sein Gold als Bezahlung akzeptieren wird. Schlaue Skaar schlucken gelegentlich ihren Stolz hinunter, nehmen Goldmünzen an und tauschen sie alsbald gegen Silbertaler ein.

Das Eisen, das in Skaarmar gewonnen wird, ist das beste Valeriens, und die Skaar wissen es zu verarbeiten. In abgelegenen Tälern finden sich die sindrsetji, eigenbrötlerische Stämme von Zauberschmieden. Alle sindrsetji kennen einzigartige Techniken zur Eisenverarbeitung, deren Geheimnis sie streng hüten und nur innerhalb des Stammes weitergeben. Sie schaffen Werkzeuge und Waffen aller Art, vor allem aber hervorragende Schwerter. Auch sollen die sindrsetji das Kettenhemd erfunden haben. Ihre Werke sind weit über Skaarmar hinaus begehrt, doch die sindrsetji sind bekannt dafür, ihre Käufer nach eigenen, unvorhersehbaren Kriterien auszuwählen. Das Schmieden ist den sindrsetji ein Akt heiliger Schöpfung, Schwerter halten sie für beseelt, und sie verlangen von den Käufern nicht nur Silber, sondern auch das Versprechen, das Schmiedewerk stets mit Respekt zu behandeln.

Geschichtenerzählen ist den Skaar eine hohe Kunst und die liebste Unterhaltung, vor allem an Winterabenden. Die Geschichten haben die Form epischer Dichtung; besonders beliebt sind Heldenlieder, aber die Skaar kennen auch zotige Schwänke voller Wortwitz und Zungenbrecher. Ein Skaar, der nicht mindestens zwei oder drei halbstündige Lieder rezitieren kann, gilt als dumm und langweilig. Die Barden der Skaar kennen oft Dutzende oder gar Hunderte von Liedern, und sie entwickeln fortwährend neue. Am Mittsommermarkt findet auch jedes Jahr ein grosser Bardenwettbewerb statt; der Sieger wird von der Sommerkönigin selbst gekürt und dient ihr ein Jahr lang als Hofbarde.

Der wichtigste Gott der Skaar ist natürlich Wutor, ohne dessen Wacht der Winter längst Skaarmar verschlungen hätte. Unter den Skaar finden sich einige Familien, die ihre Abstammung bis auf Wutors sterblichen Halbbruder zurückführen können, und Skaarmar ist übersät mit heiligen Stätten, an denen der Schneeröter einst kämpfte und siegte. Auch Belzhax, der Herr des Winters, spielt für die Skaar eine wichtige Rolle als der grosse Feind, dem es zu trotzen gilt. Daneben kennen die Skaar aber auch viele uralte lokale Gottheiten, die einen See, einen Wald oder einen Berg beherrschen und beschützen. Auch Sequoios und der Alte Glaube erhalten in Skaarmar grossen Respekt und einige Verehrung. In jüngerer Zeit haben auch die Kirchen von Morenu und Epsis an Einfluss in Skaarmar gewonnen; erstere nicht nur, weil der Herr Morenu als einziger je Wutor bezwang, sondern vor allem auch, weile seine Anhänger den Skaar bereitwillig gegen die Untertanen Belzhax' beistehen. Die Königin Epsis wird vor allem in Skaarhjoldt verehrt.

Die Skaar sind bekannt als hervorragende Krieger. Südländer schreiben das gerne der angeblichen skaarischen Blutlust und Wildheit zu, in Abwesenheit von Skaar gar einer vermeintlichen Verwandtschaft mit Titanenbrut; tatsächlich aber begründet sich die Kampfkraft der Skaar in ihrem Training und ihren ausefeilten Kampftechniken. Jede und jeder Skaar lernt ab einem Alter von sechs Jahren den Umgang mit dem Speer, später auch mit dem grossen Skaarschild und anderen Waffen. Lange nicht jeder Skaar ist ein Krieger oder sah je eine Schlacht, doch von jedem wird erwartet, dass er im Notfall sein Heim verteidigen kann. Darüber hinaus kennen die Skaar mehrere Kampfschulen; einige, wie Skjaldbróðir oder Windtrennung, sind in ganz Skaarmar bekannt, während andere gut gehütete Stammesgeheimnisse sind. Es besteht ein ausgeprägte Rivalität zwischen verschiedenen Kampfschulen, und die stolzen Krieger nehmen jede Gelegenheit wahr, die Überlegenheit ihrer Kampftechniken zu beweisen. Viele Skaar dienen auch für einige Jahre als Söldner oder Legionäre und verfeinern dabei ihre Kampftechniken weiter. Rückkehrer aus dem imperialen Heer machten auch den Schildwall populär. Imperiale Generäle schätzen die Skaar sehr, wenn sie ihnen üblicherweise auch erst mal buchstäblich Disziplin einprügeln müssen.

Eine eigentümliche Beziehung haben die Skaar zu den mächtigen Silberwölfen. Deren Rudel werden faktisch behandelt wie menschliche Stämme, und die Wölfe verhalten sich tatsächlich in vielen Beziehungen auch wie die Skaar. Im Sommer kommen Skaar und Silberwölfe gut aneinander vorbei, während sie im Winter gelegentlich gegeneinander Raubzüge ausführen. Die Silberwölfe hassen den Gestank Belzhax', und immer wieder standen sie den Skaar bei in Kämpfen wieder Reiflinge und Titanenbrut. Selbst das Skaarelog erstreckt sich auch auf Silberwölfe; Verbrechen gegen Silberwölfe werden geahndet wie solche gegen Menschen. Umgekehrt zogen die Skaar auch schon zu vetrgjald gegen bösartige Silberwölfe aus.


Auf Gatruush

Offiziell gehörte Skaarmar schon seit 113 V.A. zur Valerischen Allianz, doch die meisten Stämme kümmerten sich nie darum. Als die Allianz aber ins Imperium überging, verlangte Carvallus der Grosse in einem typischen Anfall von ignoranter Arroganz, dass sich ihm alle Winterfürsten unterwürfen. Diese Verlautbarung kam bei den Skaar nicht gut an, der imperiale Abgesandte in Skaarhjoldt wurde defenestriert und seine Prätorianer erschlagen, und grosse Unruhe drohte. Carvallus nahm daher in einem untypischen Akt von Einsicht seine Anweisung zurück, und die Sommerkönigin selbst rief die Winterfürsten dazu auf, sich dem Imperium unterzuordnen. Die meisten Stämme folgten diesem Aufruf grummelnd, einige aber weigerten sich und verzögerten diese Unterwerfung; ihnen war klar, dass sie sich im nächsten Frühling der Weisung der Sommerkönigin beugen müssten, und so verliessen sie ihm späten Herbst 257 V.A. ihre Heimat und siedelten über auf die riesige Insel Gatruush im Norden des Grenzgürtels. Einige Jahre später holten einige gatruusher Skaar dann auch eine Sommerprinzessin aus Skaarhjoldt.

Seither leben die Skaar im Grenzgürtel beinahe genau so, wie sie es in ihrer alten Heimat taten. Die Winter in den Bergen Gatruushs ist so hart wie in jenen Skaarmars, doch das Land ist noch wilder, die Feinde zahlreicher. Auf Gatruush gibt es Riesen aus Urgmaggogs Brut und Orks in Massen, die man in Skaarmar seit Generationen ausgerottet hat. Die Skaar auf Gatruush sind dann auch weit häufiger mit gemeinsamen Kriegen gegen unmenschliche Feinde beschäftigt, wobei sie von der Sommerprinzessin kommandiert werden. Die gatruusher Skaar sehen sich mittlerweile selbst als die Kriegerelite unter den Stämmen, und junge Krieger aus Skaarmar haben in den letzten Jahren begonnen, nach Gatruush zu reisen, um sich dort zu beweisen.

Mehr noch als in Skaarmar ist für die gatruusher Skaar der Winter ein persönlicher Feind, den es aktiv zu bekämpfen gilt. Glaubt man ihnen, dann zeigt ihr beständiger Kampf auch tatsächlich Erfolg: Der Winter sei in den Bergen Gatruushs bereits weit weniger hart als vor fünfzig Jahren. Auch Wutor scheint den Kampf gegen Winter auf Gatruush zu würdigen. Allein in den letzten zwölf soll er mindestens viermal leibhaftig in Gatruush einem Stamm gegen den Winter beigestanden haben, und auch sein Blau vergibt er hier häufiger als in Skaarmar.

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skaar.txt · Zuletzt geändert: 2018/07/29 18:17 von 127.0.0.1