Grossadmiral Verodan Carvallus
„Alles, was du über die imperiale Flotte wissen musst, das kannst du am Grossadmiral sehen: arrogant, heimtückisch und nur auf den eigenen Vorteil bedacht, und das Vorbild für die ganze Flotte.“
- General Hjordan Hjorgenskor über Verodan Carvallus
„Nach deinem Tode wird sich keiner daran erinnern, wie viel Freunde du dir gemacht hast, wohl aber daran, wie viele Feinde du zerstört hast.“
- Verodan Carvallus
Kein anderer Mann im Grenzgürtel, wenn nicht gar im ganzen Imperium, wird mehr gehasst als Verodan Carvallus, Grossadmiral der imperialen Flotte und Präfekt von Eschaton. Selbst seine zahlreichen Bewunderer würden ohne zu zögern zugeben, dass er eine skrupellose Schlange ist. Aus den Tempeln des Herrn Morenu wurde er auf Lebzeiten verbannt, und der Hierophant persönlich nannte ihn „der Menschheit Schande vor dem Auge der Sonne“. Verodans Name wird täglich von hundert Stimmen verflucht. Er möchte es nicht anders haben.
Verodan wurde schon als Kind von Carvallus persönlich in sein Haus aufgenommen. Der Junge aus einer unbedeutenden Adelsfamilie in Tirensis bewies bald einen scharfen Verstand, eine Veranlagung zur Intrige und die bedingungslose Bereitschaft, rastlos an seinen Fähigkeiten zu arbeiten. Er hatte in allem die besten Lehrer und lernte von Carvallus dem Grossen persönlich die Künste der Feldherren und der Könige. Wie erwartet machte Verodan schnell Karriere in seinem erwählten Gebiet: Er war der erste Carvallier, der sich der Flotte zu wandte. In der Schlacht von Dercenda siegte das Imperium dank seiner Strategie über eine doppelte Übermacht der Untoten von Cryx. Dieser Sieg trug Verodan die Ernennung zum Admiral ein; damit hatte er mit noch nicht einmal 30 Jahren den höchsten Rang in der Flotte erreicht. Natürlich war Verodan damit nicht zufrieden. Mit Intrigen in Valeor erreichte er eine Umformung der Flottenführung; oblag diese Aufgabe bisher dem Admiralsrat, so wurde nun ein neuer Rang noch über dem Rat geschaffen, jener des Grossadmirals – und an Verodan verliehen. In den Jahren seither herrschte Verodan wie ein König über die Flotte, fast gänzlich unabhängig von den Entscheidungen von Senat und Imperator. Keinen Zweifel lässt Verodan Carvallus daran, dass er die mächtige Imperiale Flotte als sein persönliches Spielzeug, als Werkzeug für seine eigenen Zwecke sieht, womit er wohl Recht hat.
Verodans Charakter wurde schon mit jenem eines Lindwurms verglichen; einige sagen, damit tue man diesen Kreaturen böses Unrecht an. Zu Verodans besseren Eigenschaften gehören Arroganz, Arglist, Gewissenlosigkeit und Eigenliebe. Der prägende Wesenszug des Grossadmirals aber ist sein Vergnügen daran, sich Feinde zu schaffen und sie dann in den Staub zu treten. Die kleinste Zurückweisung reicht ihm als Kriegserklärung, und er verfolgt jeden Feind mit äusserster Konsequenz. Einst, als er schon verheiratet war, soll er eine schöne Fürstentochter aus Skaarmar begehrt haben, die aber seine Annäherung zurückwies. Als die Fürstentochter kurz darauf heiratete, da erklärte sich Verodan ihren Gatten und dessen ganze Familie zum Feind. Er betrieb den Niedergang dieses Hauses bis zum bitteren Ende, und er soll zufrieden zugeschaut haben, als die Burg der ausgebluteten Familie an die Blutelfen fiel. Seine einstige Angebetete fand dabei ein grausames Ende zusammen mit ihrem Mann und all seinen Verwandten.
Man mag sich wundern, wie ein Mann mit derart offenkundigen Schwächen so viele Anhänger gewinnen konnte wie Verodan Carvallus. Dies liegt teilweise an der Furcht, die er erzeugt, und an der Bewunderung für seine allerdings beachtlichen Fähigkeiten und Erfolge. Ein anderer Grund aber ist sein dunkler Charme, seine Fähigkeit, Frauen und Männer mit Worten zu fesseln und für sich einzunehmen. Auch hat Verodan immer wieder gezeigt, dass er Unterwürfigkeit und Treue zu schätzen weiss; zwei Drittel aller hohen Offiziere der Flotte verdanken ihren Rang allein seiner Gunst. Speichelleckerei fördert er zwar, doch sollte man nicht den Fehler begehen, zu glauben, dass Verodan nicht hinter diese Fassade zu blicken vermag. Wie jeder Carvallier hält Verodan stets sein Wort, doch mehr noch als bei anderen Carvalliern muss man auf dessen genauen Laut achten. Verodan ist ein Meister darin, seine Versprechen so zu formulieren, dass sie nicht meinen, was ein Hörer erwartet.
Die Gattin Verodans ist Zulreja, eine Verwandte von Imperator Tortalik. Sie ist eine der einflussreichsten Damen der Gesellschaft in Valeor; mächtige Senatoren und aufstrebende Offiziere kann man gleichermassen antreffen in ihrem Salon, wo sie jeden Nachmittag zu Tee und dem neumodischen Kaffee empfängt. Manch eine Karriere wurde von Zulreja schon entscheidend gefördert; man munkelt, ihr würden genug Gefallen geschuldet, um damit das Imperium aus den Angeln zu heben. Die Beziehung zwischen Zulreja und Verodan beruht eindeutig auf beider Eigeninteresse; beide sind offen untreu und zugleich dem Ehepartner von grossem Nutzen.
Als Seefahrer ist Verodan weniger begabt denn als Stratege und Intrigant. Dafür hat er auf seinem Schiff Provocatio einen handverlesenen Stab hoch kompetenter, ihm treu ergebener Offiziere versammelt. Die Provocatio ist zugleich das Flaggschiff des Imperiums und sein gewaltigstes Schlachtschiff; alles andere wäre als Verodans Schiff unangemessen. Im Krieg im Grenzgürtel blieb die Provocatio das einzige Schiff, dass nie an einer Niederlage des Imperiums teil hatte. Für die Föderierten war sie ein brutaler Schrecken ebenso wie der letzte, unerreichte Preis.
Das Wappen Verodans zeigt einen schwarzen Grund und darauf ein rotes Schwert mit der Spitze nach unten über fünf Bluttropfen. Die fünf Tropfen symbolisieren offenbar Verodans grösste Erfolge: der dritte den Sieg bei Dercenda, der vierte seinen Aufstieg zum Grossadmiral, den fünften fügte er am Tage des Kniefalls hinzu für den Sieg über die Föderierten. Es ist nicht bekannt, wofür die ersten beiden Tropfen stehen. Dieses Wappen weht an der Spitze jedes Mastes der Provocatio, noch über jenen von Imperium und Flotte, wenn Verodan an Bord ist.
Wenn er nun auch schon über fünfzig Jahre alt ist, so ist Verodan doch immer noch in hervorragender körperlicher Verfassung und einer der besten Schwertkämpfer des Imperiums, der mehrere Kampfschulen gemeistert hat. Verodan übt sich jeden Morgen ohne Ausnahme zwei Stunden im Fechten, auch auf hoher See. Der Grossadmiral tat dies sogar während einer Schlacht vor Yumenech und unterbrach seine Übung nur, um ein blutiges Entermanöver gegen ein föderiertes Schiff anzuführen. Weithin bekannt ist Verodans Einladung an jeden Kämpfer, ihn während seiner Morgenübung zu fordern. Wer ihm ein gutes Gefecht liefert, den belohnt er reich, doch wer sich als unwürdiger Gegner erweist, den tötet Verodan in kaltem Blut. Ein esculischer Schwertmeister trat einst in einem solchen Gefecht gegen Verodan an und siegte. Der Grossadmiral belohnte in mit 100 Dukaten und bat ihn, am nächsten Tag wieder zu kommen. Der Esculier tat dies und besiegte Verodan erneut; dieses Mal erhielt er 200 Dukaten und eine weitere Aufforderung zu noch einem Gefecht. Am Abend feierte der Esculier ausgiebig, und am nächsten Tag trat er verkatert gegen Verodan an. Dieser tötete ihn innert Sekunden. Mehrere Attentäter haben schon versucht, Verodan während solchen Kämpfen zu töten, einige mit vergifteten Klingen, doch der Grossadmiral durchschaut Mordabsichten immer: Es heisst, er könne Attentäter riechen.
Stets trägt Verodan Carvallus sein Schwert bei sich, eine elegante Klinge mit einer vergoldeten Glocke in Form eines Skorpions. Das Schwert, so munkelt man, sei magisch, die drei Runen an der Klinge verliehen ihr übernatürliche Schnelligkeit, Schärfe und Blutdurst. Verodan nennt die Waffe „Schlichter“, den sie ist sein liebster Weg, einen Streit zu beenden.
Verodan ist gross gewachsen und athletisch gebaut, mit breiten Schultern, schmalen Hüften und langen Gliedern. Seine Haltung ist aufrecht und wirkt stets edel, überheblich und herausfordernd zugleich. Sein langes dunkles Haar, von ersten grauen Strähnen durchzogen, trägt er im Nacken zusammengenommen, und sein Bart ist stets perfekt gestutzt. Das Gesicht ist schmal, mit hohen Wangenknochen und kräftigem Kiefer. Verodan trägt immer hervorragend geschneidert Kleidung aus Seide, Samt und feinem Leder, gehalten in Rot und Schwarz, und dazu goldenen Schmuck. An seinem linken Ohr baumelt ein grosser Rubin in einer Goldfassung. Eine markante Erscheinung ist Verodan, und sein Stil wird von imperialen Kapitänen oft kopiert.
