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wutorsblau

Wutorsblau


Worte des Wodrugin, eines alten Skaars von Gatruush:

„Was es mit Thjalkis Augen auf sich hat, fragst du? Er trägt das Wutorsblau. Ich weiss, dass euch Südlingen das nicht viel sagt, also lass mich es dir erklären.

Die Winter bei uns im Norden sind hart und kalt, viel härter und kälter als das laue Lüftchen, das ihr im Süden Winter nennt. In einem echten Winter, da kriecht dir die Kàlte unter jedes Gewand, unter jedes Fell und jede Decke und unter die Haut bis in die Knochen. So hoch liegt der Schnee, dass er dich einfach verschlucken kann, und erst nach der Schmelze findet man deine blaue Leiche. Nahrung ist knapp, im Frühjahr kannst du den Gürtel um zwei Löcher enger schnallen als im Herbst, und deinen Vorrat musst du verteidigen gegen wilde Räuber auf vier und auf zwei Beinen. Nur die Starken überleben den Winter, und selbst sie brauchen dazu all ihre Kraft und all ihr Glück.

Ihr nennt uns barbarisch und grausam, dass wir unsere schwachen Kinder aussetzen im Wald. Doch du würdest es verstehen, hättest du unseren Winter erlebt. Diese Kinder könnten ihn nicht überstehen, nur die stärksten vermögen dies. Die Mutter, die dieser Tatsache nicht ins Auge blicken mag, die legt sich nur eine unnötige Bürde auf, und sie wird zu Grunde gehen zusammen mit dem Kind. So bringen wir die Neugeborenen, die zu schwach sind und zu klein, in den Wald und übergeben sie der Obhut Wutors, des Wächters im Winter, damit er sie auf die Valwege führt. Manche dieser Kinder aber schickt Wutor zurück zu den Lebenden, gibt ihnen neue Stärke, gibt ihnen sein Blau.

Der letzte Schneefall bringt diese Kinder zurück. Wenn die Sonne die Wolken durchbricht und du den Frühling schon riechen kannst, dann magst du dein ausgesetztes Kind wiederfinden, draussen vor dem Haus, beim gefrorenen Bach oder den heiligen Bäumen. Wie es dahin kam, wie es den Winter überstand, dass siehst du an seinen Augen: Sie schimmern in blassem Blau, so wie der Himmel über dir, und du weisst, dass es sein Leben Wutor verdankt. Heranwachsen wird das Kind zu seiner Zeit, und egal ob Junge oder Mädchen, es wird immer stärker sein und wilder als seine Spielgefährten. Sein Schicksal ist vorgezeichnet. Ein grosser Krieger wird es werden, und nichts sonst. Für Handwerk, für Lieder und für die Liebe wird dein Kind keine Geduld haben und keine Neigung, nur blanke Waffen und blutigen Streit hat es im Sinn. Keine Enkel darfst du dir von deinem Kind erhoffen, aber tapfere Taten und grossen Ruhm. Es ist ein Grund zur Freude und zur Trauer, sein verlorenes Kind derart wiederzufinden.

Das Wutorsblau zeigt sich in den Augen und kann nicht übersehen werden. Im Dunkeln leuchten diese Augen und sehen so gut wie am lichten Tag. Wer das Wutorsblau trägt, der ist stark und furchtlos, ein Töter von Mensch und Monster, und nur wenige können sich mit seinem Waffenarm messen. Keine Kälte spürt er auf der Haut, und selbst im bittersten Winter friert er nicht. Dafür aber gefriert seine Seele, und er wird grimmig und unnahbar. Jähzorn und Schwermut sind die Begleiter des Wutorsblau, und für all ihre Stärke und all ihren Ruhm sind seine Träger nicht zu beneiden.

Der Wächter im Winter vergibt das Wutorsblau nicht ohne Grund. Wer so von ihm gezeichnet ist, der wird gegen die Feinde Wutors kämpfen müssen. In Skaarmar waren dies meist die Reifriesen, die schrecklichen Söhne des Bhelzax'. Als die Skaar nach Gatruush kamen, da brachten wir unsere alten Wege mit uns, und schon nach dem ersten Winter fanden wir das erste Kind mit dem Wutorsblau. Hier gibt es mehr Monster als in Skaarmar, und deshalb gibt es auch mehr Wutorskinder, wohl alle paar Jahre eines, um gegen Orks und Titanenbrut zu kämpfen und gegen all die anderen Bestien dieser Insel. Sie sind uns Vorbild und Mahnung, und sie erinnern uns daran, dass es auch im schrecklichsten Winter einen Wächter gibt, der uns vor der Raukälte bewahrt und den Frühling vor dem Erfrieren.“

wutorsblau.txt · Zuletzt geändert: 2018/07/29 18:18 von 127.0.0.1